Microsoft Office 365

IT-Chefs skeptisch gegenüber Cloud-Office

10. Oktober 2011
Von Hartmut Wiehr
Mit Paketen aus Mail, Collaboration-Tools und Web-Apps will Microsoft verlorene Marktanteile zurückholen. Anwender reagieren verhalten.
Thomas Hemmerling-Böhmer, Vorsitzender vom Microsoft Business User Forum: "Wenn rechtliche Fragen glaubwürdig beantwortet sind und die Interface-Frage final geklärt ist, wird es kein Entkommen mehr geben."
Thomas Hemmerling-Böhmer, Vorsitzender vom Microsoft Business User Forum: "Wenn rechtliche Fragen glaubwürdig beantwortet sind und die Interface-Frage final geklärt ist, wird es kein Entkommen mehr geben."
Foto: Microsoft Business User Forum e.V.

Nachdem es mehr als 200 000 Anwender in der Beta-Phase ausprobiert hatten, ist Office 365Office 365 seit Ende Juni offiziell am Start. MicrosoftMicrosoft attackiert in erster Linie Googles starke Verankerung mit "Apps for Business" bei kleinen und mittleren Unternehmen. Dort ist man aufgeschlossen für cloud-basierte E-Mail- und Collaboration-Services, weil sie einen Rückbau der eigenen Infrastruktur und damit auch eine Reduzierung des IT-Personals gestatten. Große Unternehmen fallen laut Gartner-Analysten schon deshalb nicht ins Kalkül von Microsoft, weil sie komplexere Ansprüche stellen. Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Office 365 auf CIO.de

Felix Fürnhammer, Manager IT beim Halbleiterhersteller X-Fab, wird in den kommenden Jahren bis 2013 erst einmal die bereits beschlossene Umstellung auf Office 2010 durchführen. Bis 2015 werden dann vermutlich keine weiteren Aktivitäten in diesem Bereich stattfinden, berichtet der IT-Leiter. Die 2500 Mitarbeiter des Erfurter Unternehmens mit weiteren drei Standorten in Deutschland, den USA und Malaysia erwirtschafteten 2010 einen Umsatz von 222 Millionen Euro.

Auch gibt es eine grundsätzliche Zurückhaltung. "Wir sind bei der Cloud-Thematik eindeutig bodenständiger und arbeiten zum gegenwärtigen Zeitpunkt lieber mit lokal ausgerichteten Lizenzen", sagt Fürnhammer. Allerdings kann sich Fürnhammer einen Umstieg auf eine cloud-basierte Lösung für die nächste Office-Generation nach 2015 als eine ernsthafte Option vorstellen.

Diese Einstellung ist charakteristisch für viele IT-Verantwortliche. Thomas Hemmerling-Böhmer, Vorsitzender des Deutschen Microsoft Business User Forums, sieht dennoch Gründe für einen Umstieg in die Cloud: "Tendenziell macht ein Online-Office die Arbeit der IT viel einfacher. Es entledigt sie der permanenten Installationsarbeiten und der Versionshetze. Von daher ist das Konzept gut." Zu klären bleibt für ihn "die Interaktion zwischen cloud- und nicht-cloud-basierten Systemen in einem Haus".