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IT-Führungskräfte 50plus wieder gefragt

25. November 2015
Sabine Thiemann ist Beraterin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Sie ist unter anderem auf CIO-Positionen spezialisiert. Sie ist Beraterin im Münchner Büro von Heidrick & Struggles International und Mitglied der globalen Information & Technology Officers Practice sowie der Global Technology & Services Practice.
Bei der Besetzung von CIO-Positionen vollzieht sich derzeit ein Wandel. Kandidaten im Alter von über 50 Jahren kommen bei Top-Besetzungen wieder in die engere Auswahl. Das Alter ist nicht mehr so entscheidend wie früher.

Als ich vor 15 Jahren als Personalberaterin anfing, lernte ich schnell, dass in der IT in aller Regel Männer und Frauen gesucht wurden, die zwischen Anfang 30 und maximal 45 Jahren alt waren. Die Unternehmen gaben älteren KandidatenKandidaten keine Chance, 55jährige, oft aber auch schon End-Vierziger fielen schlicht aus dem Raster. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Als Konsequenz schreckten ältere IT-Experten vor einem Wechsel zurück, zu riskant schien es dieser Altersgruppe damals, ihr Glück noch einmal in einem anderen Unternehmen zu versuchen. Würde der Seitenwechsel schief gehen, stünde man vor dem Aus, lautete das durchaus nachvollziehbare Argument.

Diese Verengung des Suchfeldes bei externen Besetzungen löst sich derzeit auf. Bei meinen beiden letzten Suchen war das Alter von 55 Jahren bei Kandidaten kein Thema. Mehrere weithin sichtbare CIO Positionen wurden in letzter Zeit mit reifen Führungskräften besetzt.

Michael Müller-Wünsch (54) kam im August von Lekkerland als Bereichsvorstand Technology zur Otto GmbH, der frühere Novartis Manager Matthias Trabandt (55) ist seit einem Jahr bei Swiss Life Deutschland, Ulrich Arnold (52) bekleidet seit März 2015 die CIO Position der Lufthansa Airplus Servicekarten GmbH und auch die Deutsche Bahn mit Eberhard Kurz (54) und BSH Hausgeräte mit Peter Reichel (53) haben CIO-Vakanzen mit externen Kandidaten der Generation 50plus besetzt.

Ursachen für den Wandel

Diese Manager stehen pars per toto. Alter wird in der IT wieder geschätzt. Mehrere Ursachen lassen sich für diesen Trend ausmachen.

Da ist zunächst der demografische Wandel. Unsere ganze Gesellschaft wird älter, wir werden alle länger arbeiten müssen: Die Wirtschaft kann sich den Jugendwahn der Vergangenheit gar nicht mehr leisten, diese Erkenntnis ist in vielen HR- und Fachabteilungen angekommen.

Unternehmen reagieren bereits. So bleiben die Vorstände der DAX-30 Unternehmen inzwischen wieder länger an Bord, wie Heidrick & Struggles kürzlich ermittelte. Galten Vorstände über 60 noch vor wenigen Jahren als rare Auslaufmodelle, ist diese Altersgruppe heute in DAX-Vorständen wieder präsenter.

Gesunder Lebensstil der Führungskräfte

Zudem ist die Generation 50plus heute leistungsfähiger als früher. Ein gesunder Lebensstil vieler Führungskräfte schlägt sich in einer deutlich besseren Fitness nieder. "50 ist das neue 60" ist ein passender Slogan dafür. Auch in der Wahrnehmung hat sich einiges geändert. Galten ältere IT-Chefs noch bis vor kurzem als zu teuer und zu sehr an alten Zöpfen hängend, gilt die neue Generation 50plus als engagiert, mobil und flexibel.

Erfahrene Netzwerker

Geschätzt wird ihre Bereitschaft, Wissen zu teilen. Sie sind erfahren mit Führungskräfteentwicklung, Changeprozessen und Stellenabbau. Weil lange im Geschäft, besitzen die Älteren gute Netzwerke, auch über die Unternehmensgrenzen hinaus. Sie agieren mit Ruhe und Souveränität, haben keine Karriereambitionen mehr und sind weniger monetär getrieben als jüngere Kandidaten.

Die agilen und fitten 50 bis 55-Jährigen haben durch die neue Nachfrage nach ihnen auch die Wechselscheu abgelegt, wollen oft noch einmal eine große Herausforderung meistern. Es ist verblüffend, mit welcher Verve und ohne Scheuklappen heute IT-Manager in einem Alter ans Werk gehen, in dem sie noch vor zehn Jahren als "altes Eisen" galten.

Jüngere Generation weniger agil

Und noch eine Entwicklung spielt der Generation 50plus in die Hände. Die jüngere, nachrückende Generation an IT-Führungskräften macht es dem Top-Management gelegentlich einfacher, sich für einen älteren CIO zu entscheiden. Auch in der IT achten junge Talente vermehrt auf die optimale Work-Life-Balance, sind mit Elternjahr und Sabbatical beschäftigt. Es ist augenfällig, dass so mancher 35-Jährige heute weniger unternehmerisch, weniger agil und dafür zurückgelehnter agiert als viele 60-Jährige.