Wie funktioniert das eigentlich?

IT ist wie ein Biotop

27. Oktober 2006
Von Andreas Schmitz
Claude Roeltgen, CIO von Credit Suisse in Luxemburg, hat ein Buch geschrieben. Für seinen Vater, der sein Leben lang in der Stahlindustrie geschuftet hat und einfach nicht verstand, was Claude bei der Bank eigentlich macht.

Claude Roeltgen tippt mit dem Finger auf eine Anzeigenseite von Hewlett-Packard (HPHP), die er gerade aus einer Wirtschaftszeitung herausgerissen hat: „Konfigurieren Sie 64 Server in 15 Minuten“ steht dort schwarz auf weiß. „Wissen Sie, was passiert, wenn ein CEO das liest?“, fragt Roeltgen, der gar nicht erst die Antwort auf seine Frage abwartet, sondern sie gleich hinterher liefert: „Er ruft die Hotline an und informiert sich, ehe er dann den CIO damit konfrontiert und fragt, warum denn im eigenen Haus immer alles so kompliziert ist.“ Alles zu HP auf CIO.de

Mit seinem Buch „Eine Million oder ein Jahr“ greift Claude Roeltgen übliche Vorbehalte auf, IT sei teuer und dauere ewig. Seine Botschaft: IT ist kein Auto, in das man sich hineinsetzt, den Zündschlüssel umdreht und Gas gibt. IT sei auch keine Landschaft, schon gar keine blühende, sondern eher ein Biotop aus verschiedenen IT-Systemen, das immer für eine Überraschung gut sei. Gerade die Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen seien ein leidiges Thema, das vor allem auch langwierig sei und viel Betreuung erfordere.

Das sind verständliche Worte – zunächst an seinen Vater adressiert, der sein Leben lang mit Computern nur am Rande zu tun hatte. „Was machst Du eigentlich genau?“, fragte der Mann. Bei einer Bank irgendwas mit Computern: Das war klar. „Ich schreibe es Dir auf “, sagte der Luxemburger CIO daraufhin. Eine der wichtigsten Botschaften: „Es funktioniert nichts auf Knopfdruck“, weiß Roeltgen aus 18 Jahren Erfahrung als Banken-CIO. Das ist auch für viele Mitarbeiter der Bank neu.

Die Ursachen dafür sind so vielseitig wie beispielsweise die Beziehungen zwischen Schilfen, Algen, Kröten, Libellen und Wasserläufern in einem Tümpel. Keiner weiß, ob durch eine neue Tier- oder Pflanzenart ein Mehrwert geschaffen oder das Gleichgewicht zerstört wird, schreibt der Wirtschaftsinformatiker. Hinzu kommt, dass Dienstleister ihre Software in einem eigenen Biotop präsentieren, das Hauptbiotop im Unternehmen allerdings wesentlich größer und erheblich komplexer sei.