Endlich global unterwegs

IT läuft ihren Marken hinterher

04. Juli 2005
Von Marita Vogel
Ihre Produkte sind längst in aller Welt. Aber die deutschen Markenhersteller haben ihre IT immer noch lokal ausgerichtet. Jetzt erst starten die CIOs der Bekleidungs- und Handelsunternehmen, um die IT-Landschaften ihrer ausländischen Niederlassungen zu integrieren.
UNTERNEHMEN, Beiersdorf AG
UNTERNEHMEN, Beiersdorf AG

WELTWEIT AKTIV sind die Consumer-Unternehmen des MDAX schon lange. Außerhalb des deutschen Marktes erwirtschaften sie mittlerweile beachtliche Umsatzanteile; der Absatz wächst dort stärker als in Deutschland. Jetzt steht bei Beiersdorf, Hugo Boss und Puma auch die Internationalisierung der IT auf der Prioritätenliste ganz oben: Die drei Konzerne investieren massiv in die länderübergreifende Integration. „Die Optimierung der gesamten Prozesskette fordert besonders die Bekleidungsbranche heraus“, sagt Rüdiger Spies, Ex-Vice-President der Unternehmensberatung Meta Group. Die Unternehmen müssen ihre Lagerbestände minimalisieren, um gebundenes Kapital lockerzumachen. Daher müssen sämtliche Abläufe, von der Beschaffung der Rohstoffe bis hin zur termingetreuen Auslieferung der fertigen Kollektionen, optimiert werden.

Der schnelle Modemarkt ist eine harte Nuss

Im Vergleich zu anderen Branchen sei die IT der Consumer-Unternehmen aber recht gut aufgestellt, urteilt Spies: "Durch die langjährige Erfahrung mit Produktionspartnern vor allem in Osteuropa ist die IT bereits moderner als in anderen Branchen." Als harte Nuss gilt die Schnelllebigkeit des saisonal geprägten Modemarktes, der rasche Kollektionswechsel erwartet und damit häufige Änderungen in Stoffen und Fertigungsprozessen erfordert. "Deshalb ist es wichtig, die Produktions- und Informations-Abläufe parallel auszurichten", sagt der langjährige Meta-Group-Berater.

UNTERNEHMEN, Hugo Boss
UNTERNEHMEN, Hugo Boss

Während sich Hugo Boss wie Adidas, Nike und Reebok für die Einführung des ERP-Moduls AFS (Apparel and Footware) für die Bekleidungs- und Schuhindustrie von SAPSAP entschieden hat, entwickelt Puma eine eigene Lösung. Damit könne der Lifestyle-Konzern besser auf seine speziellen Bedürfnisse reagieren, sagt CIO Kurt Walter. In Branchenkreisen heißt es dagegen, dass die häufig kritisierten hohen SAP-Lizenzkosten ein Entscheidungskriterium sein könnten. Alles zu SAP auf CIO.de

Ohnehin kommt SAP bei dem fränkischen Sportartikelhersteller nicht so recht zum Zug. Zwar wurde 1993 aus strategischen Gründen SAP R/3 eingeführt, außer bei Puma Austria kommen jedoch nur die Bereiche FI (Finanzwesen) und CO (Controlling) zum Einsatz.

Beschaffungsplattform bindet Zulieferer ein

Das derzeit größte IT-Projekt "GBS" wird, wie fast alle Systeme und Anwendungen, unter Linux betrieben. GBS steht für Global Business Service, eine standardisierte Beschaffungsplattform, in die die Produktionsstätten von über 30 Ländern, die Zulieferer und die Logistik-Provider eingebunden werden.