Offshoring verschafft Wettbewerbsvorteile

IT-Manager lagern sich selber aus

20. August 2004
Von Detlef Scholz
Rund 74.000 europäische IT-Manager werden bis 2015 ihren Arbeitsplatz durch Offshoring verlieren. Insgesamt werden dann in Europa rund 1,2 Millionen Jobs in der IT- und der Dienstleistungsindustrie in Offshore-Länder verlagert sein. Darauf weist eine Forrester-Analyse hin.

Europäischer Primus im Offshoring wird im Jahr 2015 nach wie vor Großbritannien sein. Die Unternehmen der Insel werden bis dahin rund 760.000 oder drei Prozent der gesamten Arbeitsplätze ins Ausland verlagert haben. Gleichzeitig dürften in Deutschland 140.000 Jobs durch Ausgliederung verloren gehen. Betroffen sind hauptsächlich Arbeitsplätze in Büro und Verwaltung, einschließlich der IT-Industrie. Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande werden aufgrund einer dort verbreiteten Offshoring-Scheu an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, so die Prognose.

Kosten- und Effizienzvorteile durch Offshoring könnten sich vor allem Finanzdienstleister, die Automobil- und die Luft- und Raumfahrtindustrie sichern. Die Wettbewerbsfähigkeit der Nachzügler hingegen wird laut Forrester abnehmen. Dadurch seien diese Firmen anfällig für feindliche Übernahmeattacken aus Großbritannien und den USA. Besonders Unternehmen wie die Deutsche Bank, Crédit Agricole und Allianz befänden sich in dieser Gefahr.

Banken wie die Crédit Agricole könnten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Banken wie die Crédit Agricole könnten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Forrester erwartet, dass Deutschland und Frankreich erst ab dem Jahr 2007 das Offshoring intensivieren. Bis dahin würden sie aber das optimale Timing zur Verlagerung der Arbeitsplätze nach Indien verpassen. Sie könnten dann nicht mehr von dem dort zurzeit noch günstigen Kostenniveau profitieren. Um dennoch Kosteneffekte zu erzielen, müssten sie nach China und in andere Länder ausweichen.

Finanzinstitute (im Bild die französische Crédit Agricole) können besonders vom Offshoring profitieren.
Finanzinstitute (im Bild die französische Crédit Agricole) können besonders vom Offshoring profitieren.

Innerhalb des europäischen IT-Service-Marktes rechnen die Analysten angesichts der schwachen Konjunktur mit weiteren Übernahmen und Fusionen. Das drücke auch auf die Aktienkurse der IT-Dienstleister, so der Marktforscher. Außerdem bekommen die europäischen Anbieter immer stärker die indische Konkurrenz zu spüren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Europäer sinke daher weiter. Unternehmen wie die französische Altran oder die deutsche IDS Scheer hält Forrester für mögliche Übernahmekandidaten.

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