Die wöchentliche CIO-Kolumne

IT-Markt: Echter Wachstumsoptimismus oder Prinzip Hoffnung?

04. März 2002
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Der europäische IT-Branchenverband Eito hat die Marktzahlen für 2001 vorgelegt, zusammen mit Prognosen für das laufende und das kommende Jahr. Der Einbruch des letzten Jahres - das Wachstum ging von 12,7 auf 4,4 Prozent zurück - veranlasst die Auguren für 2002 zu einer konservativen Prognose von 6,6 Prozent. Für 2003 traut man sich jedoch schon wieder etwas: 9,8 Prozent Marktwachstum stehen auf dem Prognose-Chart, soviel wie zu Internet-Boom-Zeiten. Begründete Hoffnung oder Zweckoptimismus?

Das Eito hat mit seinen Prognosen über den Weltmarkt für Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) noch nie daneben gelegen. Das sagt zumindest Bernhard Rohleder, Managing Director des "European Information Technology Observatory" und Geschäftsführer des deutschen IT-Branchenverbands Bitkom . Tendenziell hat er recht, die Abweichungen der Marktzahlen von den Prognosen bewegten sich meist im tolerablen Rahmen.

Bis letztes Jahr: 9,6 Prozent Marktwachstum hatten die europäischen IT-Statistiker den Anbietern vorausgesagt; die Umsatzuhr blieb jedoch bei einem Plus von 4,4 Prozent stehen. Eine krasse Diskrepanz, die Rohleder nötigte, die „erste Fehleinschätzung" in der zehnjährigen Eito-Geschichte einzuräumen. Während Eito-Präsident Bruno Lamborghini in seiner Präsentation der Ergebnisse die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September 2001 nicht erwähnte, versäumte Rohleder nicht darauf hinzuweisen, dass der Terror den Markt sehr stark nach unten gedrückt haben.

Wie auch immer: Jetzt ist man bei Eito ein bisschen vorsichtiger geworden: 2002 werde der ICT-Markt nur noch um 6,6 Prozent wachsen, so die aktuelle Voraussage. Das wäre einerseits eine Erholung, andererseits jedoch ein deutlicher Rückschritt - noch unter das Wachstumsniveau von 1994. Damals, vor dem Internet-Boom, waren die IT- und Kommunikationsunternehmen noch an sehr viel flachere Wachstumskurven gewöhnt gewesen. Zuwachsraten um die zehn Prozent hatte es erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre gegeben.

Aber welche Perspektive ziehen die Eito-Auguren also für 2003 auf? Die Basis für so eine Voraussage ist ja noch ziemlich schmal; die IT-Budgets der Anwender für das kommende Geschäftsjahr liegen noch nicht vor. Für Eito Anlass zu einer mutigen Prognose: Um durchschnittlich 9,8 Prozent sollen die Ausgaben für IT- und Telekommunikationsausrüstung weltweit zulegen. Die Kurve wäre dann wieder so steil wie während der Internet-Euphorie, als viel Geld für strategische ProjekteProjekte in die Hand genommen wurde, deren Ertrag sich indes rechnerisch allzu häufig nicht nachweisen ließ. Alles zu Projekte auf CIO.de

Die Vorsicht der Auguren erstreckt sich also nur auf den unmittelbar überschaubaren Zeitraum: das laufende Budget-jahr. Was ab dann gilt, ist im wesentlichen Zweckoptimismus - wenn auch ein begrüßenswerter. Wir teilen zumindest die Hoffnung, dass sich die Eito-Prognose für das Jahr 2003 nicht als zweite Fehleinschätzung in der Geschichte der Organisation entpuppt.