Anbieter in den Startlöchern

IT und TK werden mit Next Generation Networks eins

12. Juni 2008
Von Alexander Galdy
In der Telekommunikationsbranche herrscht derzeit reichlich Bewegung. Wer als TK-Anbieter beim Thema Next Generation Networks (NGN) zu spät kommt, den bestraft der Markt. Klar, dass bei den meisten Dienstleistern die Umstellung auf Netzwerke der nächsten Generation längst begonnen hat. Denn mittlerweile drängen auch klassische Portalanbieter wie Google oder Yahoo in diesen Bereich. Freuen dürfen sich die Anwender. Sie bekommen bessere Dienste für weniger Geld.
Intern haben die meisten großen TK-Anbieter die Umstellung auf NGN schon geschafft. Beim Kundengeschäft stehen sie noch in den Startblöcken.
Intern haben die meisten großen TK-Anbieter die Umstellung auf NGN schon geschafft. Beim Kundengeschäft stehen sie noch in den Startblöcken.

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, was denn nun NGNs genau sind. "Laut der International Telecommunication Union ITU handelt es sich bei einem NGN um ein Paket-basiertes Netzwerk, das in der Lage ist, Telekommunikationsdienste bereitzustellen und dabei die Nutzung von unterschiedlichen Breitband-Technologien und Quality of Service-fähigen Transport-Technologien zuzulassen" , sagt Wolfram Funk von der Experton Group.

Die Service-Funktionen von NGN sind typischerweise unabhängig von zugrunde liegenden Übertragungs-Technologien. Die Netzwerke der nächsten Generation bilden eine neue Architektur für den Kern der Netzwerke ebenso wie für die Zugriffsebene. Als zentralen Standard hat man sich auf das Internet Protocol (IP) geeinigt, das sich bereits etabliert hat.

Konvergenz als größter Vorteil

Der Vorteil von NGN ist die Konvergenz. Unterschiedliche Netzfunktionen wie Transport, Dienst und Kontrolle können auf verschiedenen Netzebenen betrieben werden. Wird zum Beispiel für ein NGN als Transportnetz ein IP-Netz genutzt, so kann dieses in das Internet integriert sein. Das erklärt auch, warum heute meistens eher von IP-Technologie die Rede ist als von NGN.

"Ein neues Netzwerk aufzubauen ist sehr komplex", sagt Wolfram Funk von der Experton Group. Eine Implementierung nach dem Prinzip "Big Bang" ist mit Risiken verbunden.
"Ein neues Netzwerk aufzubauen ist sehr komplex", sagt Wolfram Funk von der Experton Group. Eine Implementierung nach dem Prinzip "Big Bang" ist mit Risiken verbunden.

Konvergenz von IT und TK ist zwar einer der Hauptvorteile, aber auch eines der größten Probleme - noch. "Ein neues Netzwerk aufzubauen ist ein langfristiges Unternehmen. Das Thema NGN ist gar nicht so trivial und sehr komplex", sagt Funk. Momentan schaffen die Carrier in Europa weiter die Basis für die Konvergenz von Netzen und Endgeräten sowie für die Migration auf IP-Technologie im klassischen Telekommunikationsumfeld. "Dabei entwickeln sich die IT-Architekturen vom herkömmlichen Modell der Anwendungs-Silos zu einem Service-orientierten Modell", berichtet der Berater.

IP Multimedia Sub-Systeme (IMS) dienen dabei als unterstützende Plattform. Zu den Vorreitern gehört unter anderem die British Telecom. Der TK-Anbieter will bis 2010 die Migration von Public Switched Telephone Network hin zu IP-Netzwerken abschließen. Aber auch bei der Deutschen Telekom ist der Technologie-Schwenk zumindest intern schon geschafft. In Bezug auf das Kundengeschäft muss aber noch etwas passieren.