CIO Auf- und Aussteiger


Energieversorger EWE

IT-Vorstand Behr vom Hof gejagt

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Weil er einen Detektiv engagiert hatte, um einen Mitarbeiter zu bespitzeln, hat die EWE das Arbeitsverhältnis mit Nikolaus Behr "mit sofortiger Wirkung" beendet. Der Personalvorstand war gleichzeitig CIO des Unternehmens.
Nikolaus Behr musste EWE verlassen.
Nikolaus Behr musste EWE verlassen.
Foto: EWE

Nikolaus Behr (55) war seit August 2012 Vorstand für Personal & IT beim EnergieunternehmenEnergieunternehmen EWEEWE in Oldenburg. Am 9. September 2016 wurde er vom Konzern beurlaubt, am 19. September musste er von seinem Amt zurücktreten. Seitdem ist bei EWE CFO Wolfgang Mücher nicht nur für den Bereich Finanzen, sondern kommissarisch auch für IT zuständig. Top-500-Firmenprofil für EWE Top-Firmen der Branche Energie u. Rohstoffe

CFO Wolfgang Mücher übernahm bei EWE die IT kommissarisch.
CFO Wolfgang Mücher übernahm bei EWE die IT kommissarisch.
Foto: EWE

Eine Detektivgeschichte

Was war passiert? In der Pressemitteilung von EWE dazu heißt es: "Nikolaus Behr und das Unternehmen ziehen damit die Konsequenzen aus einer vom bisherigen Personalvorstand verantworteten Überwachung eines ehemaligen Angestellten, mit dem sich das Unternehmen seit einiger Zeit in einem Rechtsstreit befindet."

Nach Informationen der Nordwest-Zeitung aus Oldenburg handelt es sich um einen früheren Mitarbeiter von EWE Netz. Behr war damals Geschäftsführer von EWE Netz und hatte erfolglos versucht, dem Mitarbeiter über mehrere Instanzen zu kündigen. Nach Informationen des NDR hatte Behr eine Detektei beauftragt, die den Mitarbeiter mit einem Peilsender beschatteten. Die Rechnung der Detektive habe das Unternehmen EWE unwissentlich bezahlt.

Interne Ermittlungen

Behr sei bereits am 9. September 2016 auf Grundlage von ersten internen Ermittlungen vom Aufsichtsrat beurlaubt worden. Er arbeitete vor seinem Vorstandsamt als kaufmännischer Geschäftsführer der EWE Netz GmbH, die Strom- und Gasnetze betreibt.

Nach einer Berufsausbildung zum Feinmechaniker in Göttingen und dem Studium zum Diplomkaufmann an der UGH (Universität Gesamthochschule) Essen begann er seine Berufslaufbahn bei den Städtischen Werken Kassel. 1993 wechselte er zur Dresden Elektrizitäts- und Fernwärme GmbH. Zwischen 1997 und 1999 leitete er die Abteilung Controlling und Unternehmensplanung der Drewag-Stadtwerke Dresden. Im Jahr 2000 wurde er Controlling-Chef der EWE AG, bevor er Anfang 2004 die kaufmännische Leitung der Netze übernahm.

Überwachung ist nicht erlaubt

Matthias Brückmann, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, sagte: "Die Überwachung von Mitarbeitern oder anderen Personen verstößt auf elementare Weise gegen von EWE vertretene Werte. Der EWE-Vorstand begrüßt daher die letztendlich erfolgte Verantwortungsübernahme des ehemaligen Personalvorstands sowie die eindeutige Entscheidung des Aufsichtsrats."

Der bisher ebenfalls von Behr verantwortete Themenbereich Personal wird nun kommissarisch vom CEO Brückmann verantwortet.

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