Strategien


Arbeitsmarkt Automobilbranche

IT wird für Fahrzeugbau immer wichtiger

28. Januar 2015
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Digitalisierung und Vernetzung verändern den Automobilbau, die Fahrzeuge und die Arbeitswelt. Immer mehr Elektrik, Elektronik und Software werden in den Fahrzeugen verbaut.

Des einen Freud, des anderen Leid: Wer zurzeit den Arbeitsplatz wechseln will, hat gute Chancen. Die Wirtschaft brummt, und Unternehmen suchen qualifiziertes Personal. Nicht immer ist es einfach, vakante Positionen zu besetzen. Doch unmöglich ist es nicht.

Wie die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Fachkräfte-Engpassanalyse zur Jahresmitte 2014 mitteilte, gibt es vor allem Engpässe in einzelnen technischen Berufsfeldern, etwa bei Ingenieuren oder bei einigen nichtakademischen Fachkräften. Noch gefragter als Ingenieure sind laut dem Dekra Arbeitsmarkt-Report 2014 IT-Fachkräfte. Die Digitalisierung im Automobilbau zeigt hier deutliche Spuren.

Trotzdem scheint es nicht direkt so, als ob die AutoherstellerAutohersteller zu leiden hätten. Zu den beliebtesten Arbeitgebern angehender Ingenieure, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler gehören Unternehmen wie Audi und BMWBMW. Das sind Ergebnisse einer Studie des Berliner Trendence-Instituts unter rund 35.000 abschlussnahen Studierenden in Deutschland vom vorigen Jahr. Top-500-Firmenprofil für BMW Top-Firmen der Branche Automobil

Bei solchen Ergebnissen verwundert es nicht, dass Klaus Schweiger, Personalleiter von AudiAudi in Ingolstadt, sagt: "Wir können alle offenen Stellen besetzen." In diesem Jahr wird die VW-Tochter rund 2000 neue Mitarbeiter allein an den beiden deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm einstellen. "Der Wunsch der Menschen, always on zu sein, und die steigende Vernetzung zeigt sich auch in der Automobilindustrie." Die Komplexität der Aufgaben und die Zahl der Projekte in diesem Bereich nehmen bei Audi deutlich zu. Top-500-Firmenprofil für Audi AG

Arbeiten am vernetzten Auto

IT und AutomobilAutomobil wachsen zusammen. Das Auto der Zukunft wird vernetzt sein - mit dem Umfeld, der Verkehrsinfrastruktur und dem Internet. "Um auf dem spannenden Gebiet der Vernetzung bestehende Entwicklungen voranzutreiben und Innovationen zu schaffen, brauchen Automobilhersteller und -zulieferer qualifizierten und engagierten Nachwuchs", sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Allen voran gesucht sind Softwareentwickler, Sensorik- und Elektronikspezialisten. Etwa 90 Prozent der Innovationen im Fahrzeug basieren auf Elektronik, Software und IT. Damit lassen sich Umsätze erzielen, und diese Innovationen schaffen Arbeit. Top-Firmen der Branche Automobil

Das Auto der Zukunft ist vernetzt, etwa 90 Prozent der Innovationen in modernen Fahrzeugen basieren auf Elektronik, Software und IT.
Das Auto der Zukunft ist vernetzt, etwa 90 Prozent der Innovationen in modernen Fahrzeugen basieren auf Elektronik, Software und IT.
Foto: BMW Group

2013 stieg die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie um 1,9 Prozent auf rund 756.000. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. Eine Prognose über die Entwicklung der Beschäftigung wollte der VDA nicht abgeben. Die meisten Mitarbeiter haben die Autohersteller (433.000). Bei den Zulieferern sind es 291.000, und die Hersteller von Anhängern und Aufbauten zählen 31.000 Mitarbeiter in ihren Reihen.

Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt aus Ehningen ist mit seinen rund 11.000 Mitarbeitern weltweit für alle großen Hersteller tätig. Die Geschäfte laufen gut. "Derzeit haben wir mehrere hundert offene Stellen für Ingenieure, ITler und Techniker, die wir auch besetzen können", sagt Sandra Hoffmann, Leiterin Personal-Marketing und -entwicklung. Sie geht davon aus, dass im Auto der Zukunft noch mehr Elektrik und Elektronik stecken wird und dadurch der Bedarf an Mitarbeitern mit diesen Skills steigt. Das kann im klassischen Infotainment sein und bis zur Vernetzung und der Elektromobilität reichen.

Continental in Hannover ist der weltweit größte Automobilzulieferer. 107.000 Beschäftigte hat das Unternehmen in seiner Automotive-Division. Davon arbeiten mehr als 10.000 Entwickler an Softwarelösungen für Fahrzeuge. "Tendenz steigend", sagt Ralf Lenniger. Er ist verantwortlich für Systementwicklung, InnovationInnovation und Strategie in der Division Interieur. Alles zu Innovation auf CIO.de

Ein Thema treibt alle um: "Im Engineering und in der Planung ist Industrie 4.0Industrie 4.0 bereits angekommen, allen voran in der komplexen Automobilindustrie", sagt Thomas Bauernhansl. Er ist Professor an der Universität Stuttgart und leitet dort das Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) sowie das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP). Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Und er ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), ebenfalls in Stuttgart. "Automatisierungstechnik, Software und IT-Kommunikation sind die Komponenten für eine intelligente, sich selbst organisierende Fabrik", postuliert der Wissenschaftler. Künftig würden Mitarbeiter gebraucht, die in der Lage sind, die neuen und komplexen Systeme zu überblicken, und die dafür Grundkenntnisse in den drei Disziplinen mitbringen.

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