Arbeitsdruck und Wochenendarbeit

Jeder Zehnte arbeitet zu viel

20. Oktober 2010
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Das Klischee vom arbeitsüberlasteten Chef bestätigt das Statistische Bundesamt jetzt in einer Studie. Führungskräfte und Akademiker, aber auch Landwirte arbeiten überdurchschnittlich lang.
Je älter die Beschäftigten, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie 48 Wochenstunden und mehr arbeiten. Erklärung der Statistiker: Unter Älteren sind mehr Führungskräfte (Zahlen vom Stat. Bundesamt)
Je älter die Beschäftigten, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie 48 Wochenstunden und mehr arbeiten. Erklärung der Statistiker: Unter Älteren sind mehr Führungskräfte (Zahlen vom Stat. Bundesamt)

"Wenn man ganz bewusst acht Stunden täglich arbeitet, kann man es dazu bringen, Chef zu werden und vierzehn Stunden täglich zu arbeiten", sagte einst der vierfache Pulitzerpreisträger Robert Frost. Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes scheint das zu bestätigen. Die Statistiker haben jetzt den Bericht "Qualität der Arbeit" vorgelegt.

Demnach war 2009 jeder Zehnte ein "Erwerbstätiger mit überlangen Arbeitszeiten". Überlang heißt: 48 Stunden pro Woche und mehr. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag voriges Jahr bei 35,8 Wochenstunden. Dieser Wert sagt allerdings nicht viel aus, denn die Wirtschaftskrise hat zu Kurzarbeit und dem Abbau von Überstunden geführt.

Zu den Vielarbeiten zählen rund vier von zehn Führungskräften (39 Prozent). Da haben White-Collar-Worker etwas mit Landwirten gemein: Jeder dritte Bauer (33 Prozent) ist länger als 48 Stunden pro Woche beschäftigt. Außerdem arbeiten 17 Prozent der Akademiker oft länger.

Chefs sind meist keine Youngsters mehr, daher erklärt sich, dass vor allem ältere Beschäftigte lange Arbeitszeiten aufweisen. In der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre sind es dagegen nur knapp acht Prozent.