Versagen der Führungskräfte

Jeder Zweite hat innerlich schon gekündigt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Manager nutzen ihre Macht aus, um nicht mehr dazulernen zu müssen. Die Hälfte der deutsche Mitarbeiter hat schon innerlich gekündigt. Einen "Führungsschein" für Entscheider fordert deshalb Professor Günther Schust von der Hochschule St. Gallen im CIO.de-Interview.
Günther Schust, St. Gallen, will deutsche Manager wieder regelmäßig auf die Schulbank schicken.
Günther Schust, St. Gallen, will deutsche Manager wieder regelmäßig auf die Schulbank schicken.

Deutsche Manager verbarrikadieren sich auf ihrer Machtposition, statt ihr Wissen als Teil einer lernenden Organisation regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Günther H. Schust, Gastdozent an der Hochschule St. Gallen, fordert daher einen "Führungsschein für Führungskräfte". Im Gespräch mit CIO.de erklärt er, warum.

Herr Schust, warum brauchen wir einen "Führungsschein" für Entscheider?

Schust: Jeder zweite Mitarbeiter in den deutschen Unternehmen hat bereits innerlich gekündigt. Die Dunkelziffer gescheiterter, teuerer ProjekteProjekte steigt ständig weiter. Am Ende zahlt immer mehr der engagierte Mitarbeiter die Zeche, durch Verlust seines relativ gering dotierten Arbeitsplatzes, weil durch Fehlentscheidungen so und so viel Millionen Euro in den Sand gesetzt werden. Deshalb ist es notwendig, dass Führungskräfte zukünftig ihr Denken, Wissen und Verhalten mit einem "Führungsschein" alle zwei bis drei Jahre auffrischen. Alles zu Projekte auf CIO.de

Warum tun sie das nicht sowieso, auch ohne Führungsschein?

Schust: Besonders stark fällt auf, dass Menschen sehr lern- und veränderungsarm sind. Sie verändern und lernen nur, wenn der Druck ungemein groß wird oder ihnen keine andere Wahl mehr bleibt. Insbesondere nutzen vor allem Führungskräfte ihre Stellung, um nichts mehr dazu lernen zu müssen. Damit wird immer weniger neues Wissen, das ein Unternehmen dringend benötigt, "produziert". Dabei ist es dringend nötig, dass Entscheider zwischen FührungFührung und Nichtführung wechseln können. Sie müssen auf Augenhöhe mit ihren Mitarbeitern sprechen. Alles zu Führung auf CIO.de

Was heißt das für die Personalführung?

Schust: Wir brauchen flache Hierarchien, um Team- und Projektarbeit erfolgreich zu gestalten. Zeitgemäßes Führen ist die sogenannte "supportive Leadership". Ziel dabei ist, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter begeistern können, und sie zum besten Ergebnis unterstützen und damit zum Erfolg führen.

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