CeBIT - d!conomy verunsichert Firmen

Jedes fünfte Unternehmen sieht Digitalisierung als Bedrohung

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der ITK-Branchenverband Bitkom hat zum Auftakt der CeBIT eine Studie vorgestellt, in der es um die Folgen der Digitalisierung für den deutschen Wirtschaftsstandort geht. Ergebnis: Der Optimismus überwiegt, doch es gibt auch Skeptiker.

19 Prozent der insgesamt befragten 505 Geschäftsführer und Vorstände aus Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sagen laut Bitkom: "Die Digitalisierung gefährdet die Existenz unseres Unternehmens." Rund ein Drittel gibt zudem zu, Schwierigkeiten zu haben, die Umstellungen zu bewältigen. Dass sich in Folge der Digitalisierung Geschäftsmodelle ändern, glauben 55 Prozent, dass Wettbewerber aus der ITK-Branche in angestammte Märkte drängen, immerhin 48 Prozent. Und noch eine ehrliche Auskunft: Ein Viertel der Befragten konzediert, dass ihnen Wettbewerber, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, nun voraus sind.

Digitalisierung und Arbeitskräftemangel sind die größten Herausforderungen, sagt die Bitkom-Studie.
Digitalisierung und Arbeitskräftemangel sind die größten Herausforderungen, sagt die Bitkom-Studie.
Foto: Bitkom

Trotz dieser Sorgen, so zeigt die Studie weiter, ist eine deutliche Mehrheit gegenüber dem Megatrend positiv gestimmt. Von allen Befragten bekunden das 73 Prozent, wobei die Zustimmungsquote bei kleinen Unternehmen (20 bis 50 Mitarbeiter) mit 56 Prozent klar unter dem Durchschnitt liegt. Konzerne mit mehr als 500 Beschäftigten sind dagegen zu 88 Prozent optimistisch, die mittlere Ebene immer noch zu 83 Prozent.

Der Handel ist besonders skeptisch

Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Industrien. Ausgerechnet der Handel, der durch den E-Commerce-Trend der vergangenen Jahren die Folgen der Digitalisierung oft mit voller Härte zu spüren bekommen hat, ist nur zu 68 Prozent aufgeschlossen. 32 Prozent der Befragten sagen, sie seien in dieser Frage "unentschieden". Dienstleister sind dagegen zu 70 Prozent aufgeschlossen, Industrieunternehmen sogar zu 79 Prozent.

Digitalisierung verändert zum Teil massiv die Geschäftsmodelle.
Digitalisierung verändert zum Teil massiv die Geschäftsmodelle.
Foto: Bitkom

Spannend sind die Ergebnisse zur Frage, ob in den Unternehmen eine "Digitalstrategie" vorliege. 37 Prozent verneinen dies, weitere 24 Prozent sagen, es gebe in einzelnen Unternehmensbereichen StrategienStrategien für die Digitalisierung. Somit sind es nur 39 Prozent der Befragten, die tatsächlich eine "zentrale Strategie" für alle Aspekte der Digitalisierung verfolgen. Dort stehen die Geschäftsführungen und alle Unternehmensbereiche voll dahinter. Alles zu Strategien auf CIO.de

Jobs in traditionellen Branchen gelten als bedroht

Schließlich wollte der Bitkom auch noch wissen, ob die Wirtschaft in der Digitalisierung eine Bedrohung für Arbeitsplätze sieht. Tatsächlich sagten 88 Prozent, dass Jobs in traditionellen Branchen bedroht seien. Bitkom-Präsident Dieter Kempf verwies darauf, dass in dem Maße, wie Arbeitsplätze verschwänden, auch neue Jobs entstehen könnten. Die ITK-Branche selbst sei ein Beispiel dafür, wie rasende Technologieveränderungen keineswegs zur Vernichtung von Jobs, sondern, im Gegenteil, zu neuen Arbeitsplätzen führten.

Vielen Unternehmen bereitet die Digitalisierung größte Sorgen.
Vielen Unternehmen bereitet die Digitalisierung größte Sorgen.
Foto: Bitkom

Der Bitkom-Sprecher mahnte, dass sich Deutschland beim digitalen Wandel in den politischen Weichenstellungen nicht verzetteln dürfe. Es sei nötig, dass in der Politik nicht nur einzelne Ministerien auf den digitalen Kurs einschwenkten, sondern dass es eine flächendeckende Unterstützung gebe.

Deutschland könne eine "digitale Souveränität" entwickeln. Die Wirtschaft sei dafür stark und innovativ genug, sie wisse auch, mit welchen Unternehmen am Weltmarkt die Zusammenarbeit sinnvoll sei. Internationale Kooperationen seien unabdingbar, nationale Alleingänge indes keine Lösung. (hv)

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Thema: Strategien

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