Unis bilden IT-Nachwuchs falsch aus

"Junge, was lernst du hier?"

07. September 2010
Von Nicolas Zeitler
Die ersten Universitäten versuchen, Studenten auf den Job des CIOs vorzubereiten. Hier erfahren Sie, wo das am besten klappt und welche Qualifikationen selbst gestandenen IT-Managern immer noch fehlen.
Michael Neff, Ex-CIO von Heidelberger und designierter CIO von RWE, mit Sohn Alexander im Mannheimer Hörsaal.
Michael Neff, Ex-CIO von Heidelberger und designierter CIO von RWE, mit Sohn Alexander im Mannheimer Hörsaal.
Foto: Joachim Wendler

Im Fernsehen findet Michael Neff "Wer wird Millionär?" spannend, im Studium von Sohn Alexander dagegen nicht. Der Junge studiert Wirtschaftsinformatik in Mannheim. Was soll es da bringen, wenn er Ratespiele für Smartphones programmiert? "Wo ist denn da die betriebliche Relevanz?", fragt der bisherige CIO der Heidelberger Druckmaschinen AGHeidelberger Druckmaschinen AG, der ab Juli die IT-Tochter der RWE leitet und zum Februar 2011 CIO des RWE-Konzerns wird. Die Studenten lernen zwar Java, vom Zusammenhang zwischen Informatik und betriebswirtschaftlichem Denken erführen sie aber nichts. Top-500-Firmenprofil für Heidelberger Druckmaschinen AG

Das muss ein guter CIO können.
Das muss ein guter CIO können.

Neff spricht nicht bloß als Vater, der seine Steuern und die 500 Euro Studiengebühren für den 24-jährigen Sohn gut angelegt sehen will. Als CIO sorgt er sich generell um die IT-Führungskräfte von morgen. Die sind auf ihre künftigen Aufgaben schlecht vorbereitet, wenn sie zwar BWL-Vorlesungen gehört und in Wirtschaftsinformatik-Seminaren mitgearbeitet haben, Verständnis für die Verbindung zwischen beiden Disziplinen aber nicht vermittelt bekommen. "Diese Verbindung muss stärker im Mittelpunkt stehen", fordert Neff, der mit seiner Kritik gar nicht speziell auf die Universität Mannheim zielt, an der er selbst in den 70ern Mathematik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftspädagogik studiert hat. Er sieht das Defizit an allen Hochschulen.

Programmiersprachen nützen wenig

Aber kann ein Studium Frauen und Männer Anfang 20 überhaupt mit dem Rüstzeug ausstatten, das auf Management-Positionen und bestenfalls bis auf den Sessel eines CIOs führt? Sven Michaelis von der Personalberatung Egon Zehnder Internation (EZI) bezweifelt das: "Die Universität bildet Studenten zu Fachleuten aus, unterstützt aber generell nicht die unternehmerische Perspektive." Die Management-Experten von EZI zählen gemeinsam mit dem CIO Executive Council zehn Führungskompetenzen auf, die aus ihrer Sicht einen zeitgemäßen CIO prägen. Sich Fachwissen anzueignen ist dabei nur der allererste Schritt in der persönlichen Entwicklung (siehe Abbildung). Programmiersprachen zu beherrschen bringt niemanden in die Chefetage. "Für CIOs ist IT letztendlich nur ein Mittel, um Geschäftsprozesse effektiver und profitabler zu gestalten", erklärt Michaelis.

Sven Michaelis, Personalberater bei Egon Zehnder International: "Die Universität bildet Studenten zu Fachleuten aus, unterstützt aber generell nicht die unternehmerische Perspektive."

Gefordert sind Dinge, die über Informatik hinausgehen: Gerade in technischen Fächern ist die Halbwertszeit des Fachwissens gering. Dieser Problematik kann die Universität nur begegnen, wenn sie Absolventen in die Lage versetzt, ihr Fachwissen ständig auf den neusten Stand zu bringen und sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Das deckt sich mit Michael Neffs Erfahrung. Als er im Mannheimer Barockschloss die Hörsaalbank drückte, durchdrang Informationstechnik den Unternehmensalltag längst noch nicht so wie heute. Neff paukte Operations Research, Produktionsplanung und Supply Chain Management. Dinge, die seiner Meinung nach jetzt in der Ausbildung zu kurz kommen: "Diese Themen sind heute genauso wichtig wie damals, geändert haben sich nur die Werkzeuge."