Aktionäre stimmen für Beherrschungsvertrag

Kabel Deutschland unterwirft sich Vodafone

16. Februar 2014
Vodafone ist bei Kabel Deutschland am Ziel. Wie geplant stimmten die Aktionäre des Münchner Unternehmens einem Beherrschungsvertrag zu - fast ohne Gegenstimmen. Kritik gab es dennoch reichlich.

Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland hat sich nach der Übernahme durch Vodafone endgültig aus der Unabhängigkeit verabschiedet. Nach einer wechselvollen Geschichte stimmten die Aktionäre am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in München dem zwischen den Unternehmen ausgehandelten Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zu. Da Vodafone bereits mehr als 76 Prozent der Anteile an dem Konzern hält, war die Abstimmung Formsache. Am Ende lag die Zustimmungsquote bei über 99,99 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte. Kabel Deutschland ist nun an Weisungen der Mutter gebunden und muss seine Gewinne abführen.

Doch zuvor hatten die verbleibenden Aktionäre viele Fragen. Nach der Aussprache zog sich die Debatte um die finanziellen Bedingungen des Geschäfts über viele Stunden bis in den Abend hin. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass die verbliebenen Aktionäre statt einer Dividende künftig jährlich eine Ausgleichszahlung von 3,77 Euro brutto je Aktie bekommen.

Zudem verpflichtet sich Vodafone, den verbliebenen Aktionären eine Abfindung von 84,53 Euro je Aktie zu zahlen, sollte die ihre Aktien an Vodafone abtreten wollen. Das ist derzeit allerdings ein wenig verlockendes Angebot. An der Börse stand der Kurs der Kabel Deutschland-Aktie am Donnerstag bei rund 100 Euro. Dort wäre also mehr zu holen. Auch deswegen äußerten mehrere Aktionäre Kritik an der Bewertung ihrer Anteile und kündigten eine gerichtliche Überprüfung an - kein ungewöhnlicher Schritt.

Ein vollständiger Ausschluss der verbliebenen Aktionäre ist derzeit kein Thema. Vodafone habe nach seinem Wissen keine Pläne für einen Squeeze Out, sagte Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein. Grundsätzlich auszuschließen sei dieser aber nicht, wenn Vodafone über den notwendigen Aktienbesitz verfüge.

Vodafone will mit der Übernahme vor allem der Deutschen Telekom auf ihrem Heimatmarkt das Leben deutlich schwerer machen. Bisher sind die Briten in erster Linie auf dem Mobilfunkmarkt der ärgste Rivale der Bonner. Nun will Vodafone mit Hilfe des Kabelnetzes auch mit Angeboten aus Fernsehen, Telefon und schnellem Internet angreifen. Dank Kabel Deutschland bekommen sie nun den Zugang zu einem leistungsfähigen Netz und vor allem Millionen Kunden.

Für die Deutsche Telekom ein Szenario, das nicht ohne Ironie ist: Sie wird angegriffen mit einem Netz, das sie vor rund 14 Jahren auf Druck der EU selbst abgeben musste. Die EU wiederrum prüfte die Übernahme von Kabel Deutschland - und genehmigte den Deal im September. Das Bundeskartellamt, dass theoretisch darum bitten durfte, das Verfahren selbst zu übernehmen, hatte zuvor bereits abgewunken. Größere Beeinträchtigungen des Wettbewerbs seien nicht zu befürchten. So lief das Geschäft für Vodafone bisher problemlos. (dpa/rs)

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