5 Milliarden Dollar geboten

"Kanadischer Warren Buffett" will Blackberry kaufen

24. September 2013
Ist der verlustreiche Smartphone-Pionier Blackberry gerettet? Der kanadische Investor Prem Watsa, der mit dem US-Finanzmogul Warren Buffett verglichen wird, bietet fast 5 Milliarden Dollar für das Unternehmen. Noch ist das Geschäft aber nicht in trockenen Tüchern.

Für den angeschlagenen Smartphone-Pionier BlackberryBlackberry gibt es neue Hoffnung. Die Investmentholding Fairfax Financial will Blackberry für 4,7 Milliarden Dollar (3,5 Mrd Euro) schlucken und von der Börse nehmen. Der kanadische Konzern mit dem aus Deutschland stammenden Manager Thorsten Heins an der Spitze hatte zuletzt weiter Marktanteile verloren und einen hohen Verlust eingefahren. Alles zu Blackberry auf CIO.de

Treibende Kraft hinter der am Montag verkündeten Übernahme-Angebot ist Prem Watsa, Chef von Fairfax Financial. Der Manager mit indischen Wurzeln wird auch der "kanadische Warren Buffett" genannt, nach dem US-Starinvestor mit dem scheinbar untrüglichen Sinn fürs Geldverdienen.

Für die Übernahme hat Fairfax aber noch längst nicht alle Hürden genommen: Zunächst will die Finanzfirma die Bücher von Blackberry studieren, wofür sie sich sechs Wochen Zeit ausgebeten hat. Bis zum Abschluss einer Übernahme kann auch noch ein anderer Käufer auftauchen. Zunächst unterzeichneten beide Seiten nur eine Absichtserklärung. Allerdings müsste Blackberry eine Strafe von über 150 Millionen Dollar zahlen, wenn es sich für einen anderen Käufer entscheidet.

Fairfax Financial will 9 Dollar pro Aktie zahlen - das ist die Hälfte davon, was die Papiere noch zu Jahresbeginn kosteten und sogar weniger als noch am Freitagmorgen als der Kurs über 10 Dollar lag. Doch dann kündigte das Unternehmen einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar sowie den Abbau von rund 40 Prozent der Jobs an, und die Aktie stürzte um über 17 Prozent ab. Auch jetzt sind die Investoren nicht sicher, dass der Deal zustandekommt - der Kurs stieg nur auf 8,80 Dollar.

Fairfax Financial besitzt bereits jetzt schon rund 10 Prozent an Blackberry. Die Übernahme will die Holding, die ihr Geld vor allem mit VersicherungenVersicherungen verdient, mit Hilfe von Krediten sowie zusammen mit anderen Investoren stemmen. Deren Namen wurden aber nicht genannt. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf eingeweihte Personen, dass zwei kanadische Pensionsfonds mitmachen könnten. Top-Firmen der Branche Versicherungen

Erleichtert wird eine Übernahme dadurch, dass Blackberry schuldenfrei ist und zuletzt dank harter Einsparungen immer noch 2,6 Milliarden Dollar auf der hohen Kante hatte.

Blackberry wurde im Smartphone-Geschäft durch den Erfolg von Apples iPhoneiPhone und der Android-Handys vor allem von Samsung in eine kleine Nische gedrückt. Zuletzt lag der Marktanteil nur noch bei rund drei Prozent. Das neue Betriebssystem Blackberry 10 sollte die Wende bringen. Doch die Geräte verkaufen sich schlecht, und Blackberry muss fast eine Milliarde Dollar auf nicht verkaufte Bestände abschreiben. Alles zu iPhone auf CIO.de

Blackberry hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, einen Verkauf als Ganzes oder in Teilen auszuloten. "Wir sind der Überzeugung, dass diese Transaktion ein aufregendes neues Kapital in privatem Besitz eröffnen kann", erklärte Fairfax-Chef Watsa. Er saß als Großaktionär bis vor kurzem selbst im obersten Firmengremium von Blackberry, dem Verwaltungsrat.

Der Rückzug von der Börse würde dem Management mehr Freiheiten bei einem möglichen Umbau eröffnen, weil es dann keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Anteilseigner nehmen müsste. Blackberry will sich vor allem auf Firmenkunden konzentrieren.

Der Smartphone-Hersteller aus Kanada würde damit dem Vorbild des amerikanischen PC-Bauers DellDell folgen: Gründer Michael Dell kauft den Konzern mit Hilfe eines Finanzinvestors gerade ebenfalls zurück, nimmt ihn von der Börse und baut ihn um. Dell leidet unter den branchenweit schwachen PC-Verkäufen und orientiert sich deshalb in Richtung lukrativer Dienstleistungen für Firmenkunden. (dpa/rs) Alles zu Dell auf CIO.de

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