Was Studenten erwarten

Karriere, aber nicht um jeden Preis

16. Mai 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Die junge Generation möchte im Berufsleben Verantwortung übernehmen, aber karrierefixiert ist sie nicht. Wichtiger als das gute Gehalt sind Familie, Freunde, Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit und Work-Life-Balance.
40 Prozent der Frauen ist Familienfreundlichkeit im Beruf sehr wichtig.
40 Prozent der Frauen ist Familienfreundlichkeit im Beruf sehr wichtig.
Foto: Demandware

"Der Wunsch nach Werten und Wurzeln erlebt eine Renaissance", heißt es in der Auswertung einer Umfrage zum Thema KarriereKarriere unter 400 Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen, durchgeführt von der Agentur ohne Namen GmbH. Die Studienergebnisse zeigen wie bereits die Vorgängerstudie ein Jahr zuvor, dass junge Talente von ihrem Berufsleben mehr wollen als ein gutes GehaltGehalt. Alles zu Gehalt auf CIO.de Alles zu Karriere auf CIO.de

70 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer erwarten, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich ist. Den Faktor Familienfreundlichkeit bewerten 22 Prozent der Männer als sehr wichtig bei der Arbeitgeberwahl. Demgegenüber stufen 40 Prozent der Frauen diesen Faktor als "sehr wichtig" ein.

Familie, Freunde, Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit, Work-Life-Balance und eine feste Partnerschaft sind mit großem Abstand die wichtigsten Dinge im Leben der Generation YGeneration Y. Zwischen 60 und 78 Prozent der Befragten stufen sie als sehr wichtig ein. Erfolg im Job und beruflichen Aufstieg findet jeder Dritte sehr wichtig, Geld und materielle Dinge lediglich elf Prozent. Alles zu Generation Y auf CIO.de

Nach FührungFührung und Verantwortungsübernahme streben sowohl Männer (72 Prozent) als auch Frauen (64 Prozent), sie tun dies allerdings nicht um jeden Preis. Führung zu übernehmen, nur um einen Titel zu erlangen oder eine Machtfunktion inne zu haben, sei für die Mehrheit der nachwachsenden Führungsriege uninteressant, heißt es in der Studienauswertung. Alles zu Führung auf CIO.de

55 Prozent der Befragten beschreiben Karriere als einen "stetigen Weg zu persönlichem Wachstum, Selbstverwirklichung und Befriedigung". 28 Prozent definieren Karriere als "ein erfüllendes, sinnstiftendes Gefühl bei der Arbeit" und jeweils 8 Prozent benennen Karriere als "Mein Hobby zum Beruf machen" und "Gestaltungsfreiheit und Macht aufgrund einer erreichten Position".

Wunsch nach 80/20 Regelung mit Kreativzeit

Ebenso wie viele Angehörige der Generation Y es bereits während ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben, möchten sie auch im Beruf als gleichwertige Partner mit einbezogen werden. Das "Einbeziehen in Entscheidungen" (74 Prozent) und "Lob" (66 Prozent) benennen die Befragten als die wichtigsten wertschätzenden Handlungen, die Arbeitgeber ihnen entgegen bringen können. Auch Freiraum ist den Umfrageteilnehmern wichtig: 67 Prozent der Befragten wünschen sich eine 80/20 Regelung für die Erarbeitung von Ideen und eigenen Projekten während der Arbeitszeit.

Häufig genannt wurden außerdem Verantwortung (59 Prozent) sowie Gehaltserhöhungen (57 Prozent). Als wertschätzend empfinden die Umfrageteilnehmer zudem Selbstbestimmung seitens des Arbeitgebers (37 Prozent) sowie freie Arbeitszeiteinteilung (32 Prozent) und Weiterbildungsmöglichkeiten (30 Prozent).

Ernüchternd erscheinen die Studienergebnisse zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Drei Viertel der Befragten glauben, dass sich Frauen bei Gehaltsverhandlungen unter Wert verkaufen. Dazu passt ein anderer Aspekt aus der Studie: Die teilnehmenden Frauen erwarten für alle Perioden (Berufseinstieg, fünf und zehn Jahre später) jeweils weniger Gehalt als Männer. Obwohl 77 Prozent aller Studenten finden, dass gemischte Teams für den Unternehmenserfolg förderlich sind, glaubt nur jeder vierte Student, dass Frauen den Männern in Zukunft gleichgestellt sein werden. Eine knappe Mehrheit - 55 Prozent - sind der Meinung, dass auch zukünftig Männer schneller und einfacher befördert werden als Frauen.

Die Umfrage Student Survey 2013 wurde von der Agentur ohne Namen GmbH unter ca. 400 Studierenden bundesweit bereits zum zweiten Mal durchgeführt.

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