Vereinbarkeit von Familie und Karriere

Karriere-Killer Teilzeit

18. Oktober 2012
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Wer in Teilzeit arbeitet, kann seine Karriere vergessen. Das hat eine Studie von A.T. Kearney ergeben. Das ist auch für Firmen schlecht: Fachkräfte fehlen.

Schöne neue Arbeitswelt: Flexible Arbeitszeiten mit denen sich Kind und KarriereKarriere vereinbaren lassen, dazu Elternzeit und Kinderkrippen im Unternehmen. Das ist noch in weiter Ferne, so eine Studie des Unternehmensberaters A.T. Kearney. Über flexible Arbeitszeiten wird zwar gesprochen, durchgesetzt wird dieses Konzept meist aber nicht. "Gesellschaftlicher Anspruch und betriebliche Wirklichkeit liegen beim Thema familienfreundliche Unternehmen weit auseinander", sagt Martin Sonnenschein, Managing Director Europe von A.T. Kearney. Alles zu Karriere auf CIO.de

Kaum Angebote in Unternehmen

"Unternehmen in Deutschland tun zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", heißt es in der Studie. Das trifft nicht nur die Frauen, von denen 92 Prozent glauben, dass ihre Firma sie dabei nicht unterstützt. Auch Männer mit Kindern fühlen sich zu 87 Prozent vom Unternehmen allein gelassen, wenn sie Familie und Karriere vereinbaren wollen. Nur 15 Prozent der Befragten waren mit dem Angebot ihres Arbeitgebers zufrieden. Der neuen Generation an Arbeitnehmern ist nämlich die Familie sehr wichtig, wie eine Kienbaum-Studie ergab.

Martin Sonnenschein von A.T. Kearney sieht bei Firmen großen Nachholbedarf, was deren Familienfreundlichkeit angeht.
Martin Sonnenschein von A.T. Kearney sieht bei Firmen großen Nachholbedarf, was deren Familienfreundlichkeit angeht.
Foto: A.T. Kearney

Angebote wie flexiblere Arbeitszeiten, Auszeiten, Elternzeit und ähnliches bieten Firmen einfach nicht an oder informieren ihre Angestellten nur unzureichend, so die Kearney-Studie. Vier von fünf Mitarbeitern mit einem Kind unter sechs Jahren vermissen Job-Sharing-Angebote. "Ein familienfreundliches Image scheint vielen Unternehmen wichtiger zu sein als gelebte Realität", so Sonnenschein. Für Mitarbeiter hat die mangelnde Unterstützung konkrete Auswirkungen.

Teilzeit killt Karriere

Besonders Teilzeit hindert Frauen daran, ihre Karriere zu verfolgen. Wer nur halbtags arbeitet, kann seinen beruflichen Werdegang offenbar vergessen. Nur elf Prozent der Frauen zwischen 30 und 40 Jahren glaubt laut Studie, dass ihre Chefs sich "glaubhaft und nachhaltig" für die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf einsetzen. Schließlich glauben auch 70 Prozent der Frauen, dass ihr Arbeitgeber hohen Wert auf persönliche Anwesenheit lege, so die Studie. Da fällt es schwer, sich auch noch um die Familie zu kümmern. Ein schlechtes Zeugnis für Entscheider und Unternehmen, die damit auch die Zukunft der Firma riskieren.