Think before you ink

Karrierekiller Tattoo?

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Tätowierungen sind gerade bei den Jungen angesagt und sehr cool, ganz klar. Aber auch im Business? Was sollte man den Kollegen zeigen und was eher nicht? Die Expertinnen von korrekt! verraten zehn Regeln für den Umgang mit Tattoos im Job.

Mittlerweile hat fast jeder Vierte der 16- bis 29-jährigen Deutschen eine Tätowierung (Quelle: Allensbacher Kurzbericht vom Juli 2014/IfD Allensbach) - also gerade junge Menschen, die auf dem Weg in den Arbeitsmarkt sind und auf den ersten Schritten in den Job einen guten Eindruck machen wollen.

Laut dem Allensbachinstitut trägt jeder Vierte der 16- bis 29-jährigen Deutschen ein Tattoo.
Laut dem Allensbachinstitut trägt jeder Vierte der 16- bis 29-jährigen Deutschen ein Tattoo.
Foto: FXQuadro - shutterstock.com

Katrin Sachs und Christina Tabernig von der Benimmagentur korrekt! raten dazu, Tätowierungen nicht sichtbar zu tragen, obschon sie natürlich nicht verboten sind. Immer wieder haben sie in ihren Trainings erlebt, dass sich Teilnehmer negativ über ihre Erfahrungen geäußert haben. Sie zitieren eine Auszubildende einer großen Handelskette: "Ich habe meine ganze Probezeit benötigt, um meinen durch die Tattoos verursachten schlechten ersten Eindruck bei meiner Vorgesetzten und den älteren Kollegen geradezubiegen. Sie hielten mich schlicht für nicht kompetent."

Dies habe auch eine 28-jährige Nachwuchsführungskraft bestätigt, die sich rückblickend nicht mehr tätowieren lassen würde. "Es hat mir nur Nachteile gebracht", sagte sie. Ferner sei sie in Erklärungsnot gegenüber ihren Vorgesetzten geraten, die sie beurteilen sollten.

Auch Barbie trägt Tattoos

Woher kommt diese skeptische Haltung gegenüber dem immerwährenden Körperschmuck, den es seit über 5000 Jahren gibt? Vielleicht weil Tätowierungen früher vor allem ein Signal der Zugehörigkeit zur Unterwelt waren (in Gefängnissen, bei Seefahrern oder als Abgrenzung in geheimen Bünden). Die Bibel gar setzt die Tätowierung mit Gotteslästerung gleich: "geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Herr" (3. Buch von Moses 19,28). Heute drücken Menschen mit ihren Tattoos zunehmend Begeisterung für eine bestimmte Musikgruppe oder eine Person aus oder gehen schlichtweg mit der Mode. Selbst Barbie trägt heute Tattoo.

Einige Psychologen und Soziologen vermuten, dass Menschen, die sich unter Schmerzen stechen lassen und lange Heilungszeiten in Kauf nehmen, sich bewusst selbst inszenieren und überhöhen wollen. Eine andere These: wegfallende Rituale wie religiöse Feste oder größere Familienfeiern werden durch die schmerzhafte Markierung des eigenen Körpers ersetzt und damit die eigene Biografie unauslöschlich 'eingebrannt'. Der Körperkult wird in den Mittelpunkt gerückt.

Heutzutage offenbaren sich nach der Allensbacher Studie vor allem Unterschiede zwischen den Bildungsschichten: nur 14 Prozent aller Abiturienten tragen ein Tattoo, während über 33 Prozent der Mittelschüler ihren Körper mit einem Symbol schmücken.

Entlassen wegen eines Tattoos

Verboten hat die Bundeswehr das Tragen sichtbarer Tattoos seit 2014. Demnach sollen die Soldaten und Soldatinnen beim Tragen einer Uniform sichtbare Tätowierungen "in geeigneter und dezenter Weise abdecken". Nach einem Gerichtsentscheid von 2014 hat der Arbeitgeber das Recht, das äußere Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter je nach Branche zu regeln. Die Bundespolizei durfte 2014 eine Polizistin entlassen, die ihr Tattoo weiterhin sichtbar tragen wollte.

Viele Menschen bereuen es inzwischen tätowiert zu sein - sei es, weil das Tattoo an die verflossene Liebe erinnert, oder weil es eben einfach nur "Mainstream" (wie das Arschgeweih) war. Fünf bis 15 Prozent aller Tattoo-Träger gehören inzwischen zu dieser Gruppe.

10 Regeln für den Umgang mit Tattoos im Job

Wie sieht es nun im Geschäftsleben aus? Ein Tattoo kann ein Grund dafür sein, dass eine Einstellung gar nicht erst zustande kommt oder dass eine Beförderung etwas länger dauert. Auch wenn das Tattoo scheinbar "hoffähig" geworden ist, da selbst Prinzessinnen und First Ladies "gestochen" sind, kann das Zur-Schau-Tragen der Glaubwürdigkeit schaden und einen Karriereknick mit sich führen.

Die Expertinnen Sachs und Tabernig empfehlen daher:

  1. Bedecken Sie Tattoos, soweit es geht.

  2. Kleben Sie eventuell ein Pflaster auf, wenn es ein kleines Ankle-Tattoo ist und Sie im Kundentermin unbedingt im Rock auftreten wollen.

  3. Vermeiden Sie das Freilegen von Tattoos im Business-Umfeld, zum Beispiel auf firmeninternen Sportveranstaltungen.

  4. Wer sich für große Tattoos entscheidet, sollte sie so platzieren, dass sie sich niemals im Job als Nachteil erweisen können.

  5. Für Herren lässt die "Anzuggrenze" viel Raum für Farbe unter dem Business-Outfit, bei Damen gilt die T-Shirt-Zone.

  6. Think before you ink! Partner-Tattoos können sich überdauern. Das ist definitv ein No-Go!

  7. Achtung Fehlerteufel: Passen Sie bei fremdsprachiger Orthografie auf, dass Ihnen kein Lapsus unterläuft!

  8. Vorsicht bei fremsprachigen Schriftzeichen: Sprach- und Kulturmissverständnisse können schnell passieren, etwa wenn Sie sicha uf Japanisch das Wort "Liebe" stechen lassen. Ist das Schriftzeichen schräg verzogen, bedeutet dieses "Hühnersuppe".

  9. Auch wenn der Körper zur Erinnerungstafel mutiert, beachten Sie: Vor allem bei familienbezogenen Ereignissen, das Geburtsdatum der Kinder, das Hochzeitsdatum der Eltern oder die Erinnerung an Großeltern und Haustiere - auch diese Gefühle können sich ändern.

  10. Körperzonen altern und dehnen sich, damit müssen Sie rechnen! Der Oberarm mag bei Frauen unter 40 im Etuikleid straff sein, spätestens ab 50 empfehlen wir das Tragen von Blusen mit Ärmel. Haben Sei dort auch noch ein Tattoo platziert, kann sich beim Erklimmen der Karriereleiter dies als Kletterbremse herausstellen.