Wirtschaftlichkeit der IT oft unklar

Kein Durchblick bei den Kosten

09. November 2009
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Die Zeichen stehen auf Sparen - auch in der Unternehmens-IT. Dabei wäre es hilfreich, über Kosten und Wirtschaftlichkeit auch im Detail Bescheid zu wissen. Aber in der Realität ist das allzu oft nicht der Fall.

Wissen ist eine sicherere Grundlage für Entscheidungen als Glauben - so viel steht fest. Auf diesem festen Grund stehen viele Unternehmen ausgerechnet dann nicht, wenn sie Kosten und Nutzen ihres IT-Einsatzes bewerten wollen. Einer aktuellen Studie der Burton Group zu Folge verfügen die meisten Manager nicht über ausreichende Informationen über die Kosten ihrer IT-Infrastruktur. Deshalb gestaltet es sich schwierig, den Return on Investment (ROIROI) für irgendeine verwendete Technologie vorherzusagen. Alles zu ROI auf CIO.de

"Ein genaues Bild zu bekommen, ist hart", gibt Burton-Analyst Nik Simpson zu. Das beginne schon damit, dass sämtliche relevanten Informationen überall in der Firma verstreut seien. Beispielsweise müsste ein IT-Manager wissen, wie hoch die von der IT verursachten Stromkosten sind, und diesen Posten beim Facilities Manager erfragen. Den Überblick über die Kosten für Geräte und belegte Fläche erhält er wiederum bei anderen Anlaufstellen. Der Wust an schwer zu ermittelnden Kostendetails vergrößert sich noch durch die derzeit vorherrschenden IT-Trends wie Server KonsolidierungKonsolidierung, VirtualisierungVirtualisierung und Cloud ComputingCloud Computing. In diesen Fällen leuchtet sofort ein, dass am Ende Geld gespart wird - was konkret aber schwer nachzuweisen ist. Simpson spricht deshalb von einer "auf Glauben gegründeten Ökonomie". Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Konsolidierung auf CIO.de Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

Als grober Richtwert können Schätzungen durchaus hilfreich sein, sagt die Burton Group. Um aber einen genauen Überblick über die tatsächlichen Kosten zu gewinnen, seien in der Praxis allerdings Anstrengungen nötig. Es müssten Bilanzprüfer ran, die die IT-Kosten in ihrer ganzen Tiefe durchleuchten. Stattdessen komme es vor, dass zum Beispiel in der Bilanz die Ausgaben für virtualisierte Server genauso hoch veranschlagt werden wie für physische Server.

IT-Kosten im Schnitt: 2,3 Prozent vom Umsatz

In der Frage, wie IT-Kosten bewertet werden, herrscht weithin Dunkel vor. Die zu Beginn des Jahres gegründete International IT Benchmark Association (IITBA) versucht mit Hilfe von Benchmarks, für etwas mehr Licht zu sorgen. "Nur wenn Transparenz darüber herrscht, welche Leistungen zur IT gehören, können deren Kosten klar beziffert und damit verglichen werden", sagt Mitbegründer Professor Helmut Krcmar, Wirtschaftsinformatiker an der Technischen Universität München. Einige orientierende Indikatoren hat die IITBA schon jetzt ermittelt. So liegt der Anteil der IT-Kosten am Umsatz bei durchschnittlich 2,3 Prozent, schwankt allerdings je nach Unternehmen zwischen 0,8 und 5,6 Prozent. Die durchschnittlichen Kosten pro betreuten Mitarbeiter beziffern die Forscher auf 9368 Euro, die Bandbreite erstreckt sich hier von 2941 bis 25818 Euro. Das zeigt vor allem, dass die Situation in jeder Firma höchst individuell ist, und Benchmark-Parameter allenfalls als grobe Richtschnur dienen können.

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