Fukushima und die Folgen

Kein Nachbeben am IT-Markt

09. Juni 2011
Riem Sarsam ist IDG-Redakteurin und leitet verantwortlich das CIO Leadership Excellence Program (LEP), eine exklusive Fortbildung für IT-Manager, gemeinsam veranstaltet von CIO und der WHU – Otto Beisheim School of Management .
Japan ist ein wichtiger Lieferant von Rohmaterialien für die IT-Industrie. Angst vor Preisexplosionen als Folge der Katastrophen sind jedoch unbegründet. Möglichen Lieferengpässen kann der CIO vorbeugen.
Axel Pols Chefvolkswirt, Bitkom: "Um nicht von Verzögerungen überrascht zu werden, sollte der CIO früh genug die Lieferzeiten mit dem Produzenten klären."
Axel Pols Chefvolkswirt, Bitkom: "Um nicht von Verzögerungen überrascht zu werden, sollte der CIO früh genug die Lieferzeiten mit dem Produzenten klären."
Foto: Bitkom

Im Land der aufgehenden Sonne herrscht der Ausnahmezustand. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami vom 11. März dieses Jahres haben verheerende Schäden hinterlassen. Die Zahl der Todesopfer ist offiziellen Angaben zufolge inzwischen auf rund 14.000 gestiegen, mehr als 12.000 Menschen gelten nach wie vor als vermisst, und die Zahl der Obdachlosen schätzen die offiziellen Stellen auf rund 500.000. Hinzu kommt der GAU im Atomkraftwerk Fukushima, der weite Teile des umliegenden Gebiets unbewohnbar macht. Weitere Folgen der freigewordenen Radioaktivität lassen sich noch gar nicht absehen.

Unter den Folgen der Katastrophe leidet auch die japanische IndustrieIndustrie. Viele Produktionsstätten wurden zerstört, Zulieferketten unterbrochen. Für den Monat März brach die Industrieproduktion um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Besonders empfindlich hat es die Automobilindustrie getroffen. Doch auch die IT- und Elektronikbranche spürt die Folgen. Top-Firmen der Branche Industrie

Tokio: Die Metropole Japans.
Tokio: Die Metropole Japans.
Foto: Georg Wagner - Fotolia.com

Japan spielt auf dem Weltmarkt für PCs, ServerServer, StorageStorage oder mobile Geräte weniger für die Produktion von Endprodukten, sondern in erster Linie als Lieferant von Vorleistungen eine wichtige Rolle. Die Japaner entwickeln und produzieren Schlüsseltechniken für Chips und Displays, und das in einem respektablem Ausmaß: Das Land deckt Schätzungen zufolge rund ein Fünftel der weltweiten Halbleiterproduktion und knapp 70 Prozent des Weltmarkts für Silicium-Wafer ab. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Chemikalien für die Herstellung von Displays sowie Handybatterien. Alles zu Server auf CIO.de Alles zu Storage auf CIO.de

Engpässe nur schwer vorhersagbar

"Was die Direktimporte betrifft, ist Japan kein Schwergewicht für den deutschen IT-Markt", sagt Axel Pols, Chefvolkswirt beim Bitkom. "Allerdings fließen viele der dort hergestellten Teile in Endprodukte, die in anderen Märkten wie China oder Taiwan hergestellt und dann wiederum nach Deutschland exportiert werden." Wie diese verschlungenen Wege genau aussehen und wie hoch das Volumen ist, das schließlich auf dem deutschen Markt landet, lässt sich schlecht nachvollziehen. Es bedeutet jedoch, dass Lieferengpässe nur schwer vorhersagbar sind und, wenn überhaupt, dann erst mit einigen Monaten Verzögerung eintreten dürften.