100 Tage zum Entscheiden

Keine Schonfrist

14.04.2008
Von Klaus Werle

Als etwa der neue Premiere-Vorsteher Michael Börnicke vor einigen Wochen die bierselige Journalistenrunde auf dem Oktoberfest früh verließ, um mit dem Chef der Deutschen Fußball Liga zu telefonieren, musste er kurz darauf wieder in der Zeitung lesen, wie "farblos" und "blass" er sei, wo doch Vorgänger und Kommunikationsgenie Georg Kofler stets bis in die Puppen mit Anekdoten und Rainhard-Fendrich-Imitationen geglänzt habe.

Postbank-CEO: Kaum Zeit zum Nachdenken

"Ein bisschen genervt" habe ihn das schon, sagt Börnicke, diese ständigen Vergleiche, doch grundsätzlich sei er entspannt: "Ich hab meinen eigenen Stil, und das Schlechteste wäre, den zu verändern." Schließlich, so ist zu hören, wurde der nüchterne Finanzvorstand im September unter anderem zum Chef ernannt, um die Premiere-Welt wieder etwas faktenorientierter und nachhaltiger zu machen als unter Tausendsassa Kofler. Auch mit Blick auf die Verhandlungen über die Bundesliga-Rechte, von denen das Premiere-Schicksal abhängt: "Kofler hat stark polarisiert, ich mache es der ARD nicht so einfach, weil ich pragmatischer bin."

Es weht unter Börnicke, so zurückhaltend er wirkt, ein anderer Wind; die Mitarbeiter werden stärker in die Pflicht genommen. Zehn-Uhr-Meetings fangen jetzt tatsächlich um zehn an und nicht um elf wie früher. Beim Führungskräfte-Training bimste Ex-Stabhochspringer Carlo Thränhardt den Managern ein, wie sie jeden Tag noch eine Schippe drauflegen können, und wenn das neue Programm vorgestellt wird, verlangt Vielarbeiter Börnicke, dass alle dabei sind, vom Pförtner bis zum Vorstand: "Jeder muss Premiere-Botschafter sein, da bin ich knallhart."

Der Mann, der eher auf dem Fußball- als auf dem Golfplatz anzutreffen ist, will authentisch bleiben. "Den Stil des Vorgängers zu kopieren ist genauso verschwendete Zeit wie Veränderung um der Veränderung willen", sagt Wolfgang Klein, der vom Marketingvorstand zum Postbank-Chef aufrückte und wie Börnicke auf einen Charismatiker folgte.

Ohnehin blieben Klein kaum Atempausen, um über die Schärfung des eigenen Profils zu sinnieren oder das zu tun, "was ein CEO in den ersten 100 Tagen so tut". Denn sein Stabwechsel im Juli hätte kaum schlechter getimt sein können, ohne dass er selbst etwas dafür konnte. Kaum einige Tage im Amt, erwischte ihn die Subprime-Krise, und im allgemeinen Banken-Bashing interessierten niemanden die Beteuerungen des jüngsten Dax-Konzernchefs, seine Bank sei mit dem Thema längst durch.

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