Aufstieg und tiefer Fall

Klaus Zumwinkel wird 70

12. Dezember 2013
Er war ein gefeierter Top-Manager in Deutschland. Dann kam die Verurteilung wegen Steuerbetrugs und der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel tauchte ab. Zum 70. Geburtstag aber meldet er sich überraschend wieder.

Klaus Zumwinkel war jahrelang wie vom Erdboden verschwunden. Die spektakulären TV-Bilder von der Steuer-Razzia vor seiner Kölner Villa haben sich auf der Festplatte der Öffentlichkeit eingebrannt. Das ist fast sechs Jahre her. Zumwinkel zog sich als verurteilter Steuerbetrüger aus Deutschland zurück. Damals stand er, der bis zu seinem tiefen Fall als überragender und besonnener Wirtschaftsführer galt, am Pranger.

Zu seinem 70. Geburtstag an diesem Sonntag (15. Dezember) sucht Zumwinkel wieder eine Brücke zum Licht der Öffentlichkeit - und meldet sich. Er werde diesen Tag im Familienkreis in London feiern, teilt er der Nachrichtenagentur dpa mit. Zu seiner Steueraffäre wiederholt Zumwinkel frühere Aussagen, dass er "den größten Fehler meines Lebens gemacht" habe. "Die Strafe und die Rücktritte waren nur konsequent."

In London hat Zumwinkel, der von einem Millionenvermögen leben kann, ein neues Zuhause gefunden - neben seinem Domizil am Gardasee in Italien, wo er mit der Burg Tenno ein herrschaftliches Anwesen besitzt. Seine Villa in Köln-Marienburg, die sogar zum Touristenziel wurde, veräußerte er schon bald nach der Steueraffäre. Seit 40 Jahren ist er mit seiner Frau Antje verheiratet. Die beiden erwachsenen Kinder leben im Ausland.

Er sei heute als "privater Investor" tätig, lässt Zumwinkel wissen. Genaueres gibt er nicht preis. Außerdem sei er bei gemeinnützigen Projekten engagiert. Als letztes Amt verblieb ihm in Deutschland die Präsidentschaft beim Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), das er 1998 gegründet hat.

Schon vor wenigen Tagen war er in der Öffentlichkeit aufgetaucht: Sein Freund, die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, lud ihn zu einem Auftritt bei einem Symposium nach Brixen (Südtirol). Dort referierte der passionierte Kletterer Zumwinkel über "Leadership im Alpinismus - Leadership in der Wirtschaft". Enge Freunde wie Messner und Topmanager aus dem Kreis seiner Bergkameraden ("Similauner") haben zu Zumwinkel gestanden, auch als alles über ihm zusammenbrach. Auch mit seinem Nachfolger bei der Post, Frank Appel, blieb er in Kontakt.

Mit einem Schlag wurde Zumwinkel, damals der dienstälteste Chef eines DAX-Unternehmens, wegen des Steuer-Skandals zu einer Persona non grata. Sein guter Ruf war ruiniert, seine gesellschaftliche Reputation dahin. Er war im Zenit seiner KarriereKarriere und einer der mächtigsten Spitzenmanager in Deutschland, als ihn, kurz vor einem geordneten Rückzug, mit mächtigem Knall seine Steuerhinterziehung einholte. Alles zu Karriere auf CIO.de

Er hatte Gelder seit den 80er Jahren in einer von ihm gegründeten Stiftung in Liechtenstein gelagert - verborgen vor dem deutschen Fiskus. Dafür wurde er im Januar 2009 zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldbuße in Höhe von einer Million Euro verurteilt.

Vor laufenden Kameras war er zuvor im Februar 2008 nach einer morgendlichen Razzia von der Staatsanwaltschaft zum Verhör mitgenommen worden. Die juristisch heiklen Bilder vor Zumwinkels Villa mit Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen gingen um die Welt - ein "Sturz vom Olymp", kommentierten Beobachter. Zumwinkel beklagte sich über diese Zurschaustellung. Seitens der Behörden seien hier Informationen gesetzeswidrig verraten worden. Daraus sei dann eine "mediale Hinrichtung" geworden.

Zumwinkel musste auf Druck aus Berlin - der Bund war nach wie vor der Großaktionär bei der früheren Bundespost - seinen Schreibtisch im 40. Stock des Bonner Post-Towers räumen. Auch seine Aufsichtsratsämter musste die "gelbe Eminenz" aufgeben. Selbst das Bundesverdienstkreuz muste er zurückgeben.

Der rheinische Unternehmersohn war schon ein vermögender Mann, als er 1989/90 zur Bundespost kam. Nach dem frühen Tod seines Vaters erbte er zusammen mit seinem älteren Bruder eine Handelskette, die er Anfang der 70er Jahre an die Rewe-Gruppe verkaufte. Das in Liechtenstein angelegte Geld soll aus diesem Erbe stammen. Als Vorstandschef der Post stand er über 18 Jahre hinweg nie infrage. Unter seiner Regie wurde die verschuldete Bundespost saniert, privatisiert und an die Börse gebracht. Nach internationaler Expansion, die er vorantrieb, zählt die Post inzwischen zu den weltweit führenden Logistik-Unternehmen. (dpa/rs)

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