Platz 2 - Mittelstand

Kleine Schritte zur dynamischen IT

28. November 2008
Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Günter Weinrauch vom privaten Fernsehsender Premiere trimmt Kernanwendungen und die technische Infrastruktur auf Flexibilität.

Projektlaufzeiten von ein bis zwei Jahren sind für Günter Weinrauch die Ausnahme. Immer öfter muss der CIO der Münchner Premiere AG IT-Vorhaben binnen Wochen oder sogar Tagen umsetzen. "Die größte Herausforderung im Medienumfeld ist die Dynamik", beschreibt er sein Aufgabenfeld. Oberste Prämisse sind deshalb flexible, zugleich aber auch stabile IT-Systeme für den Sendebetrieb.

Vor diesem Hintergrund hat er ein ehrgeiziges Strategieprogramm aufgesetzt: die Umgestaltung der Premiere-IT in Richtung einer Service-orientierten Architektur (SOA). Neben einer flexibleren IT-Landschaft ging es ihm darum, "Systeme zu entkoppeln und das Know-how-Monopol von internen und externen Experten zu reduzieren". Letzteres bezieht sich vor allem auf Kernanwendungen wie das zentrale CRM-System auf dem Großrechner, die der IT-Chef über eine evolutionäre Weiterentwicklung in die neue IT-Architektur einbinden will. Unterm Strich soll es die SOA-Infrastruktur ermöglichen, die IT in kleinen Schritten weiterzuentwickeln. Weinrauch: "Wir wollen einen Big Bang so weit wie möglich vermeiden, gleichzeitig aber auch die Flexibilität schaffen, neue Komponenten und Funktionen einfach einbinden zu können."

Dieser Maxime folgte das SOA-Pilotprojekt "Basis 2006", mit dem die Premiere AG eine Basis-Infrastruktur in Form eines Enterprise Service Bus (ESB) einrichtete. Das Team zerlegte das Vorhaben in zehn Arbeitspakete, für die jeweils strenge Regeln galten. So durfte kein Paket länger als zehn Wochen dauern oder mehr als 200 000 Euro kosten.

Das dynamische Marktumfeld, in dem sich der private Fernsehsender behaupten muss, wirkt sich auch in anderen Bereichen aus. Die Bayern definierten daher "Strategie-Guidelines", die mehrere Dimensionen der Geschäftsaktivitäten beschreiben. Dazu gehören Kundenorientierung, Stabilisierung, Flexibilisierung, Standardisierung, Einfachheit und Kosteneffizienz. Aus den Guidelines leitete Weinrauchs Team einen Vier-Phasen-Plan ab, um die Premiere-IT in eine "State-of-the-Art-Organisation" zu überführen, die das Geschäft bestmöglich unterstützt. Die Grundlage dafür bildet das SOA-Programm.

Das Thema Flexibilität zeigt sich auch in der Sourcing-Strategie des Fernsehsenders. Sämtliche operativen IT-Aufgaben erledigen externe Dienstleister. Weinrauch: "Das Outsourcing ermöglicht uns einen flexiblen Ressourceneinsatz und erhöht zugleich die Stabilität und Ausfallsicherheit der Systeme." Natürlich sind das nicht die einzigen Gründe. Ganz nebenbei spart Premiere mit der Auslagerung rund 15 Prozent der IT-Kosten.

Günter Weinrauch (46), Premiere

Position: CIO.

Branche: Medien, Fernsehen (1400 Mitarbeiter).

Ein CIO muss ... den Link zwischen dem Business und der Technik herstellen können und eine gehörige Portion Pragmatismus besitzen.

Er liest gerade ... Günter Grass: "Beim Häuten der Zwiebel".

Lieblingsfach ... in der Schule: Physik.

Wichtigstes Projekt: "Premiere Service Bus".

Beschreibung: Implementierung einer neuen IT-Infra struktur in Anlehnung an den SOA-Ansatz.

Projektbereiche: CRM, IT-Governance, IT-Architektur, Konsolidierung.

Zeitrahmen: keine Vorgaben, evolutionäres Vorgehen.

Projektmitarbeiter: zwei (IT-Mitarbeiter gesamt: 20 intern).

Projektbudget: eine Million Euro pro Jahr (IT-Budget allg.: 25 bis 30 Millionen Euro).

IT-Umgebung: Eigenentwicklungen, SAP.

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