SUCHMASCHINEN

Klicks für Geld

01. Oktober 2001
Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Wer eine Suchmaschine nutzt, ahnt oft nicht, wie die Positionen in den Trefferlisten zustande kommen. Um die besten Plätze ist längst ein Kampf zwischen Betreibern und Optimierern entbrannt, die Top-Rankings gegen Gebühr versprechen.
Detlev Kalb,Chef von Fireball
Detlev Kalb,Chef von Fireball

DIE ZAHL DER SUCHMASCHINEN-BETREIBER, die sich für Dienstleistungen rund um die Suchfunktion entlohnen lassen, wächst. Andere Finanzierungsmodelle, die etwa auf Einnahmen aus Kooperationen und Werbung oder auf dem Ausbau zum Portal basieren, gelten inzwischen fast überall als gescheitert. Aber selbst wenn eine Suchmaschine das Ranking ohne direkten finanziellen Einfluss ermittelt, muss das nicht heißen, dass Geld bei der Rangfolge keine Rolle gespielt hat. Findige Unternehmer bieten als Suchmaschinen-Marketing einen Service an, der vor allem eines zum Ziel hat: eine Position unter den Top-Ten der jeweiligen Rangliste.

Detlev Kalb,Chef von Fireball: „Immer mehr Suchmaschinen-Betreiber gehen dazu über,ihr Inventar zu monetarisieren.“
Detlev Kalb,Chef von Fireball: „Immer mehr Suchmaschinen-Betreiber gehen dazu über,ihr Inventar zu monetarisieren.“

Fast hundertmal mehr Zugriffe auf die Site seines Handy- Versandhauses Tiptophandy.de in Solingen verzeichnet beispielsweise Joackim von Auw, seit er bei dem Hamburger Dienstleister 1aSuchmaschinen.de eine Optimierung seines Angebots in Auftrag gegeben hat. Ein Jahr nachdem er sich für das Optimieren entschieden hatte, stieg die Zahl der Page-Impressions von wenigen hundert wöchentlich auf heute knapp 30000. Überrascht hat ihn vor allem die enorme Eigendynamik: "Wenn man erst einmal gute Zugriffszahlen hat, taucht man als Betreiber eines begehrten Angebots plötzlich auch auf anderen Sites als Link auf, für die man sonst viel Geld hätte bezahlen müssen."

Wie ein Hase-und-Igel-Spiel

Wie wichtig Suchmaschinen als Fixpunkte im Datenmeer sind, zeigen alle Statistiken. So hat das Internet-Marktforschungs- Unternehmen Fittkau & Maaß ermittelt, dass mehr als achtzig Prozent der Internet-Surfer zur Orientierung Suchmaschinen nutzen. Sie liegen in den Umfragen der Hamburger regelmäßig weit vor Shopping-Sites und Unterhaltungsangeboten. Bei der Suche nach Dienstleistern, Lieferanten und Geschäftspartnern übernehmen Suchmaschinen immer häufiger die Aufgabe von Branchenbüchern. Aktuelle Untersuchungen zeigen auch, dass sich kaum jemand durch mehr als zwei oder drei Seiten einer Trefferliste blättert. Wer nicht ganz vorne dabei ist, der bleibt im Cyberspace unentdeckt. In den Ranglisten weit oben zu stehen kann deshalb zur Überlebensfrage werden. Bei der Platzierung helfen so genannte Optimierer -- einige davon Wohnzimmerfirmen, andere mittelgroße Unternehmungen mit speziellem Know-how und moderner Ausstattung. Der Markt ist unübersichtlich; keiner weiß genau, wie viele Anbieter es in Deutschland gibt, die mit dem Versprechen werben, die jeweilige Site ganz nach vorne zu bringen. Sie alle führen einen ständigen Krieg mit den Suchmaschinen- Betreibern -- und schrecken dabei auch vor unlauteren Methoden nicht zurück. "Wie ein Hase-und-Igel-Spiel ist das", findet Detlev Kalb, Herr über die Suchmaschine Fireball. de, die mit rund 2,5 Millionen Zugriffen täglich zu den beliebtesten deutschsprachigen Angeboten gehört. Von dunklen Machenschaften will Joachim Feltkamp, technischer Leiter von 1aSuchmaschinen.de, nichts wissen. "Wir haben noch nie Probleme gehabt", sagt er, "denn wir halten uns weitgehend an die Optimierungstipps, die die Suchmaschinen-Betreiber selbst veröffentlichen." Seine Erfolge basierten vor allem auf der genauen Kenntnis der Arbeitsweise von Suchmaschinen.

Deren Chefs hingegen können Geschichten von unterschiedlichen Manipulationen erzählen: Dass Begriffe, unter denen die Firmen gerne auftauchen wollen, in der Farbe des Hintergrunds -- dadurch für den Betrachter unsichtbar -- viele hundert Mal auf eine Seite kopiert werden, gilt schon als altbacken; die wenigsten Suchmaschine fallen noch darauf herein. Weniger leicht zu entdecken und rechtlich zweifelhaft sind unsichtbare Einträge, die auf populäre Ereignisse oder gar Namen von Wettbewerbern Bezug nehmen. Wenn ein BMW-Händler auch VW und Daimler-Chrysler in den so genannten Metatags unterbringt, hat er bei manchen Suchmaschinen gute Chancen, zusammen mit der Konkurrenz in der Trefferliste aufzutauchen. Beliebt bei Optimierern ist auch eine Methode namens Cloaking, bei der Gateway-Seiten eine zentrale Rolle spielen. Sie überlisten die Suchmaschinen mit Seiten, die kein Surfer je zu Gesicht bekommt; mit Tausenden von besonders beliebten Schlüsselwörtern täuschen sie Inhalte vor, um die Surfer so auf die Sites der jeweiligen Auftraggeber umzuleiten. "Wir wehren uns natürlich dagegen", sagt Kalb. "Würden wir tatenlos zusehen, würde die Qualität unserer Treffer schlagartig sinken." Besonders die Online-Schmuddelkinder des Erotik- Gewerbes gelten als wenig zimperlich, ebenso wie einige Vertreter anderer Branchen mit hohem Konkurrenzdruck, etwa Versicherungs- oder Reiseanbieter. Nicht selten beauftragen sie Dienstleister, die über ganze Server- Farmen verfügen, mit Großangriffen auf die Rechner der Suchmaschinen.