IT im Klinikbetrieb

Komplizierter Fall

16. Juni 2006
Von Reinhold Hölbling
Die elektronische Gesundheitskarte kommt erst im nächsten Jahr. Nur jede fünfte Klinik arbeitet bereits mit der elektronischen Patientenakte. Zudem hapert es stark in der Pflegedokumentation.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist sich sicher, dass die „eCard“ die Qualität, Sicherheit und Transparenz in der Medizin verbessert. Die Ministerin sieht die Chipkarte als digitalen Schlüssel zum künftigen Gesundheitsnetzwerk in Deutschland und der EU. Als Teil des eHealth-Konzepts der Bundesregierung soll sie natürlich auch Kosten senken und die Effizienz steigern. In zunächst acht Bundesländern beziehungsweise Regionen muss sie dies derzeit beweisen – und zwar in Bochum-Essen, Bremen, Flensburg, Heilbronn, Ingolstadt, Löbau-Zittau (Sachsen), Trier und Wolfsburg. Ursprünglich hätte die eCard bereits 2006 die bisherige Krankenversichertenkarte ablösen sollen – realistischer scheint mittlerweile ein Einführungstermin Mitte 2007. Neben administrativen Funktionen sind dann auch Basisinfos über die GesundheitGesundheit des Patienten verfügbar. Top-Firmen der Branche Gesundheit

Der administrative Part ist verpflichtend für alle Verbraucher. Er enthält Angaben über den Versicherungsstatus des Patienten, Zuzahlungspflichten sowie als Anwendung die elektronische Übertragung eines Rezepts. Der medizinische Teil, der auf freiwilliger Basis genutzt werden kann, enthält Informationen über eingenommene Arzneimittel, Notfalldaten wie Blutgruppe, chronische Erkrankungen oder Allergien.Außerdem beinhaltet er zusätzliche Fakten etwa zu Anamnese, aktuellen Diagnosen, Operationen oder Impfungen, die digitale Verwaltung von Patientenquittungen sowie – sozusagen als Krönung am Ende der Entwicklung – die EPA. Deren Einführung im Zuge weiterer Ausbaustufen der elektronischen Gesundheitskarte wird jedoch noch lange Zukunftsmusik bleiben, denn noch fehlen Standards, und die Krankenhäuser stehen in puncto IT erst am Anfang.

Über 2200 Kliniken in Deutschland

Deutschland verfügt über ein dichtes Netz aus Kliniken und Krankenhäusern, insgesamt gibt es zirka 2240 Einrichtungen. Die privat geführten Kliniken haben laut einer Healthcare-IT-Studie des Krefelder Marktforschungshauses MBmedien einen Marktanteil von 15 Prozent (Stand Herbst 2005). Verglichen mit Zahlen aus 2002 ergibt dies eine Steigerung von acht Prozent. Während der Anteil der freigemeinnützigen Häuser fast unverändert geblieben ist (43 Prozent), haben öffentliche Krankenhäuser einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen (2005: 41 Prozent, 2002: 49 Prozent); sie sind die Klientel mit der ungünstigsten Überlebensprognose.

Fusionen sind an der Tagesordnung

Generell ist der Krankenhausmarkt geprägt durch eine dreistufige Entwicklung in einem dramatischen Überlebenskampf. Kooperationen von Kliniken im gemeinsamen Einkauf sind typisch für Stufe eins. Die Ausgründung einer Trägergesellschaft oder die Zusammenlegung von medizinischen Fachbereichen auf dem Wege der Spezialisierung einzelner Häuser kennzeichnen Stufe zwei.Die Fusion vormals eigenständiger Häuser zu einer Klinikgruppe, entwickelt aus einem bereits geschaffenen Verbund, bildet Stufe drei. Das alles führt zu mehr zentralen Abteilungen, Service- und Tochtergesellschaften besonders im Catering- und IT-Bereich.

Die wachsenden Datenmengen sowie die in Deutschland und Europa geltenden Aufbewahrungspflichten für medizinische Daten sind bereits jetzt Tatsachen, mit denen sich Kliniken, niedergelassene Ärzte und VersicherungenVersicherungen auseinander setzen müssen. Zur Verwaltung der Daten aus Patientenpflege, Monitoring, Fort- und Weiterbildung sowie dem Informationsmanagement reichen die vorhandenen Kapazitäten oft nicht mehr aus. Die in vielen Organisationen üblichen Papier- oder Bildarchive stoßen an ihre Grenzen.„Und schließlich fordern die Datenschutzgesetze der Europäischen Union und für Patienten gleichermaßen eine vertrauliche und sichere Verarbeitung“, mahnt Johannes Heinemann, EDV-Leiter des Wiesbadener St.-Josefs-Hospitals. Top-Firmen der Branche Versicherungen