Zuviel finanzieller Aufwand, zu wenig Nutzen

Kosten bei SOX-Projekten werden unterschätzt

17. August 2006
Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Europäische Aktiengesellschaften unterschätzen die Implementierungskosten für Richtlinien nach dem Sarbanes-Oxley-Act (SOX) zum Teil erheblich. Kostentreiber sind unter anderem die Komplexität bei der Umsetzung sowie ein hoher Dokumentationsaufwand. Bei hohen Ausgaben sehen die Unternehmen einen zu geringen Nutzen der Richtlinien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Management-Beratung Detecon sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs WP Partner.
Einführung von SOX ist oft teurer als erwartet.
Einführung von SOX ist oft teurer als erwartet.

Der Studie zufolge beziffern 30 Prozent aller befragten Unternehmen ihren Einführungsaufwand für SOX auf mehr als 20 Millionen US-Dollar. Nur 24 Prozent der Befragten gaben dabei an, die Kosten für den Prüfungsaufwand richtig eingeschätzt zu haben. 43 Prozent haben die Kosten "unterschätzt" und ein Drittel sogar "deutlich unterschätzt".

Komplexität als Kostentreiber

Als Folge der falschen Einschätzung bei den Kosten mussten die Unternehmen ihre geplanten Budgets für die SOX-Einführung zum Teil deutlich erhöhen. Jeweils fünf Prozent haben die Budgets zwischen 20 und 40 Prozent sowie zwischen 40 und 50 Prozent aufgestockt. Dabei haben 80 Prozent der befragten Unternehmen im Rahmen der Umsetzung des SOX zusätzliche neue Stellen geschaffen.

Als wesentliche Kostentreiber identifiziert die Studie die Komplexität der Umsetzung, den Dokumentations- und Beratungsaufwand sowie die zusätzlichen Abschlussprüfungsgebühren für das Testing. Durchschnittlich betrug der Anteil der Wirtschaftsprüfer und Beratung an den Gesamtkosten 42 Prozent, wobei die Antworten mit Prozentsätzen zwischen 15 und 70 Prozent sehr weit streuen.

Allerdings machen Detecon und Rölfs darauf aufmerksam, dass die tatsächlichen Kosten für die Einführung nur bedingt transparent sind. Aufwendungen für externe Dienstleistungen sowie für die direkt an dem SOX-Implementierungsprojekt beteiligten internen Mitarbeiter können exakt berechnet werden. Da der Sarbanes-Oxley Act aber weite Teile des Unternehmens umfasst, und Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen mit unterschiedlichem Aufwand betroffen sind, können Gesamtkosten nicht genau abgeschätzt werden. Die laufenden jährlichen Kosten für SOX betragen laut Studie derzeit mindestens 25 Prozent der Einführungskosten, wobei alle befragten Unternehmen zudem von einem steigenden Prüfungsaufwand in der Zukunft ausgehen.