Jedes dritte Programm wird kein einziges Mal aufgerufen

Kostenfresser SAP-Systeme

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Nicht genutzte Eigenentwicklungen kosten deutsche SAP-Anwender im Schnitt zwischen einer halben und zwei Millionen Euro. Das behauptet der Berater West Trax in einer aktuellen Studie. Demnach wird nur ein Viertel der Eigenentwicklungen intensiv genutzt. Jedes dritte Programm wird überhaupt nicht aufgerufen, trotzdem aber gewartet.

Die Autoren der Studie haben die Wirtschaftlichkeit von SAP-Systemen anhand der vier Key Performance Indikatoren (KPIKPI) Kosten, Qualität, Performance und Produktivität untersucht. Demnach schöpfen Unternehmen das Standardpotenzial der Systeme nicht aus. Ein Branchenvergleich zeigt, dass die "Best Practice"-User aus dem Gesundheitssektor mit einen Standardisierungsgrad von 58 Prozent vorn liegen. Auf dem letzten Platz liegt die Finanzbranche mit einem Standardisierungsgrad von 32 Prozent unter den "Best Practice"-Firmen. Alles zu KPI auf CIO.de

Der Standardisierungsgrad variiert nach Branchen.
Der Standardisierungsgrad variiert nach Branchen.

Dementsprechend viel Zeit und Kosten geht in Eigenentwicklungen. Was sich laut der Studie nicht lohnt: Zwischen den Wartungskosten für die selbst geschneiderten Lösungen und ihrem faktischen Nutzen im Unternehmen klaffen erhebliche Lücken. So werden nur 25 Prozent der Entwicklungen intensiv genutzt. Eines von drei Programmen wird überhaupt nicht aufgerufen, trotzdem aber gewartet. Aufgrund fehlender Transparenz in den Systemen fällt das aber schlicht nicht auf.

Mehr Geld und mehr Zeit

Das Einsparpotenzial kann bei großen Firmen bis zu zwei Millionen Euro erreichen, kleine Betriebe mit weniger als 500 Usern können rund 500.000 Euro sparen.

Als Kostentreiber bei den Eigenentwicklungen sehen die Autoren der Untersuchung nicht nur den Aufwand beim Upgraden auf aktuelle Releases und die Anpassung an Support Packages und Bugfixes, die SAPSAP regelmäßig zur Verfügung stellt, sondern zum Beispiel auch erhöhte Schulungskosten. So müssen für eigene Entwicklungen individuelle Trainingspläne und –dokumente erstellt werden. Alles zu SAP auf CIO.de