Public IT


Ausschreibungen meist an Telekom und Siemens

Kritik am IT-Gipfel

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public ICT, Telekommunikation und Social Media.

CIO.de: Deutschland ist ja im Ranking auf Platz 6 vorgerückt. Ist das nicht ein Fortschritt?

Grün: Das ist nur der Fall, weil Finnland abgerutscht ist. Ich finde, das ist weitestgehend ein auf der Stelle treten. Es gibt seit Jahren SWOT-Analysen, eine der großen Stärken von Deutschland ist dabei immer die andere Wirtschaftsstruktur. Der Mittelstand steht für unsere großen Chancen, die aber bislang nicht wahrgenommen werden.

CIO.de: Was nervt Sie noch?

Grün: Ein Kritikpunkt am Gipfel ist, dass man wieder einen neuen Star entdeckt hat: das sind die Gründer. Die sind zwar sehr wichtig, es ist aber nicht richtig, dass man nicht auch mal auf die Mittelständler schaut, die es schon gibt. Die sollte man auch fördern, damit sie richtig groß werden. Wir freuen uns auch, wenn jemand aus unserem Verband herauswächst. Für die, die schon ein paar Jahre gezeigt haben, dass sie es können, für die gibt es zu wenig Unterstützung und Förderung.

Kosten treffen Mittelstand viel härter als etwa die Telekom

CIO.de: Auch der Mittelstand soll ja etwas tun, sagt die Politik. Etwa beim Thema IT-Sicherheit. Machen Ihre Mitglieder da genug, oder muss die Politik nachhelfen?

Grün: Es ist ja ein IT-Sicherheitsgesetz in der Diskussion. Was mich besorgt, sind die Hinweise, dass diejenigen, die im Netz Geld verdienen, allein dafür sorgen sollen, dass die Mindeststandards eingehalten werden müssen. Es gibt sehr viele mittelständische Provider, die dabei im Fokus stehen. Sie sollen ihren Kunden Informationen und Mittel zur Störungsbeseitigung zur Verfügung stellen. Das könnte wie bei der Vorratsdatenspeicherung ein Problem werden. Denn die Kosten treffen den Mittelstand im Vergleich viel härter als etwa die Telekom. Da werden möglicherweise staatliche Aufgaben abgewälzt.

CIO.de: Der Bund will ein Kompetenznetzwerk für E-Business schaffen – speziell für den Mittelstand. Taugt das Was?

Grün: Ja, das ist die Fortsetzung des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG). Jetzt gibt es in verschiedenen Regionalstellen E-Business-Lotsen, die sich an die Anwender richten. Also an die Handwerker oder den Maschinenbau. Es gibt drei Initiativen, zusammengefasst unter der Überschrift „Mittelstand Digital". Das ist eine davon. Dann gibt es auch noch Querverbindungen, wo jede Anlaufstelle spezielle bundesweite Kompetenzen hat - etwa die Elektromobilität oder ERP-Lösungen.

CIO.de: Mit welchen Verbänden arbeiten Sie zusammen?

Grün: Wir sind eng befreundet und verbandelt mit dem eco – dem Verband der Internetwirtschaft. Und wir haben eine Kooperation mit Professor Günther von der Gesellschaft für Informatik (GI). Das sind Wissenschaftler, wir sind kleine Unternehmen, das beides wollen wir in Zukunft enger zusammenbringen.