Kurzlebige Elektrogeräte

Kritiker werfen Herstellern geplante Obsoleszenz vor

16. Februar 2016
Die Garantie ist kaum abgelaufen, und schon gibt der neue Toaster oder Fön den Geist auf - ein rascher Verschleiß von Elektrogeräten ärgert viele Kunden. Die Industrie muss sich Vorwürfe anhören. Aber auch die Verbraucher müssen sich an die eigene Nase fassen.
Ärger mit kurzlebigen Elektrogeräten kennt fast jeder Verbraucher.
Ärger mit kurzlebigen Elektrogeräten kennt fast jeder Verbraucher.
Foto: Sue McDonald - shutterstock.com

Gerade erst besorgt, doch dann macht die Maschine keinen Mucks mehr. Um Müll zu vermeiden und die Verschwendung wertvoller Rohstoffe einzudämmen, schlägt das Umweltbundesamt (UBA) in einer jetzt veröffentlichten Studie eine Mindesthaltbarkeit von Elektrogeräten vor - ähnlich wie bei Joghurt, Haferflocken oder Keksen. Doch Kritiker bezweifeln die Umsetzbarkeit. Und auch das Verhalten der Kunden selbst spielt eine Rolle.

Warum ist die kurze Lebensdauer vieler Geräte ein Problem?

Ob kaputt oder einfach nur veraltet - jährlich werden in Deutschland Hunderttausende Tonnen Elektrogeräte ausrangiert. Noch immer landen viele nicht in der fachgerechten Entsorgung, sondern werden trotz Verbots im Hausmüll entsorgt oder verstauben in Kellern. Das belastet die Umwelt und kostet wertvolle Ressourcen. In vielen Geräten stecken nämlich wahre Schätze wie Kupfer, Zinn und sogar Gold. Ein schlechtes Zeugnis stellt das UBA gerade kurzlebigen Produkten aus: Im Vergleich lägen Energieaufwand und Treibhausgaspotenzial über den gesamten Lebensweg bei einer Maschine mit fünf Jahren Haltbarkeit um rund 40 Prozent höher als bei einem Gerät mit 20 Jahren Lebensdauer.

Steckt dahinter Absicht der Hersteller, was sagt die Industrie dazu?

Laut UBA war eine sogenannte geplante Obsoleszenz - also die gezielte Begrenzung der Lebenserwartung - nicht nachweisbar. Vielmehr fließe die Lebensdauer in Kalkulationen der Industrie mit ein und bemesse sich auch am Kundenkreis und Einsatzbereich. Ähnlich sieht es das Karlsruher Institut für Technologie: "Richtig ist, dass Ingenieure Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen", erklärt Experte Albert Albers. "Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun." Wer eine Bohrmaschine für Profi-Handwerker entwickle, habe andere Anforderungen und Preise zu beachten als bei der Hobby-Maschine. "Geplante Obsoleszenz fällt in unserer Informationsgesellschaft sofort auf, und das kann sich ein Hersteller gar nicht leisten."

Was sagen Verbraucherschützer, welche Verantwortung haben die Kunden?

Ein früher Verschleiß von Geräten ist ärgerlich für die Kunden - aber umgekehrt werden viele Geräte wie Flachbildfernseher schon nach relativ kurzer Zeit durch ein schickeres Modell ersetzt, obwohl sie eigentlich noch gut funktionieren. Wer an die Umwelt denkt, sollte sich also auch fragen, ob es das alte Gerät nicht noch tut oder sich vielleicht verschenken oder verkaufen lässt, rät das UBA. Wer zu Billig-Ware greift, muss zudem mit einer höheren Anfälligkeit rechnen, heißt es bei der Stiftung Warentest. Stabmixer für unter 20 Euro gäben nun einmal früher den Geist auf.

"Der steigende Ressourcenverbrauch belastet nicht nur massiv die Umwelt, er führt auch zu sozialer Ausbeutung in Billiglohnländern", kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace. Aber nicht allein die Industrie trage eine Mitverantwortung: "Wir brauchen endlich eine gesellschaftliche Debatte zu den ökologischen und sozialen Folgen unseres Konsums."

Warum befürwortet das UBA eine Mindesthaltbarkeit für Elektrogeräte?

Das Amt bemängelt eine fehlende Transparenz für Verbraucher. Nicht immer sei der Preis ein zuverlässiger Indikator für die Haltbarkeit von Elektro- und Elektronikgeräten. "Im Sinne der Verbraucher und der Umwelt wäre eine Kennzeichnung, die beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt", erklärt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Eine solche Kennzeichnung gibt es etwa für Leuchtmittel. Allerdings sei es schwierig, die Lebensdauer einheitlich zu ermitteln, gibt die Stiftung Warentest zu bedenken - und äußert ähnliche Bedenken wie der Branchenverband ZVEI.

Unabhängig davon wird es schwieriger, die Lebensdauer abzuschätzen, weil zunehmend Programme Einzug auch in Alltagsgeräte erhalten. "Je mehr Software in Elektrogeräte eingebaut wird, desto weniger können Verbraucher erkennen, wenn Verschleiß oder Sollbruchstellen programmiert werden", erklärt Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Hier steht die Marktüberwachung vor neuen Herausforderungen, Verbraucher vor Schummelsoftware zu schützen."

Welche Konsequenzen hat die Studie?

Zunächst einmal dürften weitere Forschungen folgen, heißt es von der Behörde. Ob und wann die Empfehlungen des Umweltbundesamtes in konkrete Gesetzesvorhaben münden, sei derzeit noch nicht absehbar. (dpa/rs)

Kommentare zum Artikel

Dirk Schiller

Also bei Elektronik wird oft alles ausgereizt. Ob das waermeempfindliche Bauteile neben Waermeemittern sind oder Bauteile welche gerade noch so dimensioniert sind oder Elkos ueberwiegend spannungslos betrieben oder eben bei Wechselspannungen grenzwertig ausgelegt oder unzureichende Waermeabfuhr, Relais mit hoher Schaltfrequenz oder oder oder.
Wer da nicht von einer kuenstlichen Reduktion der Lebensdauer ausgeht, hat wohl oekonomischen Gruende in den Vordergrund gestellt.
Ich bin seit 2013 zu oft am Aufraeumen hinter einer grossen Firma welche mit H anfaengt, welche sich die Kosten fuer eine Gummizwischenlage am Display einer Steuerungsanlage (bei der Premiumproduktlinie) gespart haben.
Effektiv Millicent pro Stueck eingespart, ich habe Hunderte an Euro fuer Diesel und unbezahlte Arbeitszeit dafuer ausgeben muessen weil die Displays staendig ausfallen, denn der Kleber loest sich und die Anschluesse verlieren den Kontakt. Ueblicherweise wuerde z.B. die genannte Zwischenlage das Abloesen verhindern.
Mit dieser Zwischenlage koennten die Geraete sehr lange halten.
Beziehungsweise selbst bei Verwendung einer hochwertigeren Verbindung. Die aelteren Geraete vor 2013 funktionieren tadellos mit nahezu Null Ausfallrate. Dem Hersteller ist das Problem bekannt aber da die Kosten in aller Regel bei den Monteuren haengen bleiben, und viele der neueren Geraete eben erst kurz nach der Garantiezeit ausfallen, bleibt es bei der derzeitigen Fertigungsqualitaet und wir haben bereits 2016.
Ich habe die entsprechende Produktlinie aus dem Programm genommen.
Wer da etwas Anderes als Probleme in der innerbetrieblichen Kommunikation vermutet ...

Wadenbeisser

Tja, das mit mit Obsoleszez ist so eine Sache. Würde man das einschränken, wären die Wirtschaftszahlen nicht so gut. Darin liegt das Problem. Die Herstellen werden sicher alles dafür tun, das nicht nachweisbar zu gestalten. Und die Industrie und sonstige Lobby's habe sich noch immer rauszureden gewusst. Das wird auch diesmal wieder so sein, versprochen.

Hansi55

Und auch das Verhalten der Kunden selbst spielt eine Rolle.
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Nicht nur deren Verhalten spielt eine Rolle, sondern auch das der Industrie, der Geräte Hersteller. Kaum ist deren modernstes Gerät am Markt erhältlich, taucht auch schon (oft unter einem Jahr) dessen Nachfolger auf.

Nur mal so nebenbei - was zeigt, dass die UBA und der Bundesverband der Verbraucherzentralen anscheinend nicht weiter gedacht haben:
Wie sollen die Hersteller nach Realisierung der vom UBA geforderten Mindeshaltbarkeits Dauer ihre Neugeräte mit modernster Technik und Aussttaung (wie beispielsweise TV Geräte, Waschmaschinen usw.) an die Frau/den Mann bringen?
Durch deren o. a. Forderung würde sicherlich auch der Neugeräteabsatz merklich nach unten gehen - was im schlimmsten Falle Arbeitsplätze kosten würde - von weniger Umsatz und Gewinn (also auch Steuereinnahmen für Vater Staat) ganz zu schweigen.
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Wer an die Umwelt denkt, sollte sich also auch fragen, ob es das alte
Gerät nicht noch tut oder sich vielleicht verschenken oder verkaufen
lässt, rät das UBA.
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Genau da liegt das Problem.
Ein kleines Beispiel: Schon mal erlebt, dass beispielsweise (Business)Nutzer eines iOS Gerätes, welches gerade mal 2 Jahre alt ist und auch noch funktioniert, an die Umwelt denken, wenn sie sich das gerade heraus gekommene, aller neuste iOS Gerät anschaffen? Für solche hat das "Standesdenken und die Angabe mit dem neuesten iOS-Gerät " gegenüber dem "an die Umwelt denken" einen deutlich höheren Stellenwert.
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Wer zu Billig-Ware greift, muss zudem mit einer höheren Anfälligkeit rechnen, heißt es bei der Stiftung Warentest.
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Wer "Billig-Ware" über die Maßen beansprucht, z. Bs. meint, dass für den Hausbau auch ne "billge Hobby-Bohrmaschine aus dem Baumarkt" taugt, muss sich nicht wundern, wenn die früher den Geist aufgibt als eigentlich (für gelegentliche, kleinerer Heimwerkerarbeiten) vom Hersteller vorgesehen.
Ist halt wie beim Auto:
Je mehr es über die Maßen beansprucht wird, z. Bs. immer mit Vollgas und sehr oft überladen, umso schneller tritt ein Verschleiß auf bzw. umso mehr Sprit wird verbraucht.
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Im Sinne der Verbraucher und der Umwelt wäre eine Kennzeichnung, die
beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in
Nutzungsstunden angibt" erklärt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.
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Wie Praxisfremd ist das denn? Wenn beispielsweise der Hersteller einer "billigst produzierten Hobby-Bohrmaschine" für diese beispielsweise 17.000 Nutzungsstunden (unter normalen Bedingungen und Einsatzzweck) angeben würde, der Heimwerker diese "Hobby-Bohrmaschine" aber über die Maßen hinaus beansprucht, wird sie die 17.000 Nutzungsstunden nie erreichen.
Andere Frage:
Wie soll das ganze kontrolliert werden, um beispielweise einen Gewährleistungs- bzw. Herstellergarantieanspruch in Anspruch nehmen zu können, wenn die besagte Maschine vor Ende der vom Hersteller zugesagten Nutzungsdauer (weil halt vom Verbraucher über die Maßen beansprucht) den Geist aufgibt? Soll dafür zukünftig in jedes Gerät ein "nicht manipaulierbarer Zeitzähler - oder noch grasser: eine Blackbox" eingebaut werden? Wer soll diese Mehrkosten denn tragen? Wohl wieder ganz alleine die Industrie bzw die Hersteller und dann auch noch ohne Umlegung auf den Verkaufspreis?

Querschlaeger

Wer mehr wissen will, ich füge mal einen Link zur Studie bei: http://www.umweltbundesamt.de/...

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