Umweltbundesamt

Lebensdauer-Angabe für Elektrogeräte soll Verschwendung stoppen

25. Juni 2015
Joghurt hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum, Kaffeemaschinen und Handys nicht. Das Umweltbundesamt will das ändern - auch um gegen geplanten Verschleiß anzugehen. Aber würden wirklich weniger Elektrogeräte auf dem Müll landen?

Der Fernseher eine Nummer größer, die Kaffeemaschine in Edelstahl statt Plastik und das Smartphone noch etwas smarter: Die Bundesbürger kaufen nach Studien in immer kürzeren Abständen neue Elektrogeräte. Viele Altgeräte landen im Müll, obwohl sie noch funktionieren. "Spätestens wenn das alte Handy von anderen als Telefonzelle verspottet wird, sucht man sich ein Neues", klagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts. Die Behörde hat der Verschwendung den Kampf angesagt. Doch der wird nicht leicht zu gewinnen sein.

Elektroschrott
Elektroschrott
Foto: Eisenhans - Fotolia.com

Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke werden heute nach 13 Jahren ersetzt, ein Jahr früher als noch vor zehn Jahren, wie das Amt ermittelt hat. Jedes dritte Gerät sei dann noch funktionstüchtig. Ein neuer Flachbildfernseher komme nach gut fünfeinhalb Jahren ins Wohnzimmer, obwohl das Altgerät in 60 Prozent der Fälle noch laufe - dann womöglich in Küche oder Kinderzimmer; die Zweitnutzung wurde nicht untersucht.

"Die Lebens- und Nutzungsdauer sinkt, die Entwicklungsdynamik wächst", fasst Krautzberger bei einer Tagung in Berlin zusammen und lässt nun auch untersuchen, ob Hersteller Geräte wie Fernseher, Drucker oder Rührgeräte auch bewusst so bauen, dass sie zeitig kaputtgehen. Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts, sekundiert: "Was wir nicht wollen, sind Drucker mit eingebautem Todesdatum."

Für den geplanten Produkttod hat die Stiftung Warentest bisher jedoch keinen Beweis finden können, wie Vorstand Hubert Primus sagt. "Das ist auch nicht das Hauptproblem." Die Warentester stört mehr, wenn Verbraucher Geräte nicht mehr nutzen können, weil Software vom Druckertreiber bis zum Betriebssystem nicht mehr aktualisiert wird. Wenn es nach wenigen Jahren keine Ersatzteile gibt. Oder wenn SmartphonesSmartphones und Tablets verklebt werden statt verschraubt - Reparatur ausgeschlossen. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA)
Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA)
Foto: UBA

Oft lohne sich die Reparatur aber nicht, räumt Primus ein. Fernseher etwa würden in Ländern wie China billig hergestellt, repariert werden müssten sie teuer in Deutschland. Selbst schuld ist aus Primus' Sicht aber, wer zu Billigware greift. "Wer für einen Staubsauger weniger als 80 Euro ausgibt, wird ein Gerät bekommen, dass schneller in die Knie geht." Bei Waschmaschinen liege die Grenze etwa bei 500 Euro.

Das Umweltbundesamt will mit einer einheitlichen, gesetzlichen Mindestlebensdauer-Kennzeichnung erreichen, dass Geräte länger halten und länger in Gebrauch bleiben. Solche Angaben gibt es bisher nur in Ansätzen: Notebook-Hersteller etwa müssen angeben, wie oft sich der Akku mindestens aufladen lässt. Leuchtmittelhersteller geben Betriebsstunden an.

Meistens gelte, je langlebiger, desto umweltfreundlicher, meint das Umweltbundesamt. Auch wenn die Werbung verspreche, dass die neueste Waschmaschine noch mehr Strom und Wasser spare. In den vergangenen Jahren habe es da keine großen Fortschritte mehr gegeben. Außerdem blende Reklame die Öko-Bilanz bei der Herstellung ebenso aus wie den Verlust von Rohstoffen beim Recycling des Altgeräts.

Von der Mindestlebensdauer-Kennzeichnung sind Industrie und Verbraucherschutz nicht überzeugt. "Solche Labels wären wünschenswert, aber sie müssen auch praktikabel sein", sagt Primus. Die Lebensdauer einheitlich zu ermitteln, sei schwierig. Ähnlich äußert sich der Branchenverband ZVEI. Geschäftsführer Klaus Mittelbach setzt auf Qualitätswettbewerb. "Die deutschen Hersteller werden alles tun, damit der Kunde beim nächsten mal auch wieder sein Produkt kauft."

UBA-Soziologe Christian Löwe sieht ohnehin tiefere Ursachen der Verschwendung. "Die Menschen kaufen ja nicht bewusst mehr. Sie denken, sie müssen es tun, weil andere es auch tun." Dies sei ein kulturelles Problem. "Das Aufholen-Wollen, das Dazugehören-Wollen spielt eine große Rolle." "Kurzlebigkeit als Überlebensstrategie" - aus Löwes Sicht ist das ein Teufelskreis. (dpa/tc)

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Thema: Smartphones

Kommentare zum Artikel

CAD-Robert

Ein starker Ansatz könnte sein:

Es dürfen in Europa (EU) nur IT-Geräte in den Handel gebracht werden, wenn der Hersteller für ein exakt definiertes Datum eine Garantie für neue Treiber abgibt. (z.B: es wird "Jede neue Microsoft Windows-, Apple iOS- und Linux-Version bis zum 31.12.2025 unterstützt"). Das muß gut sichtbar AUSSEN auf der Verpackung und im Webshop gekennzeichnet werden. Quasi ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Treiber. Wäre der Zeitraum zu kurz ausgelegt, so würden die Kunden das Gerät (vermutlich) meiden.

Die Länge der garantierten Zusage sollte einer Geräteklasse entsprechen. Der Rechtsnachfolger des Herstellers müsste diese Garantie übernehmen.

Eine Einrichtung wie STIFTUNG WARENTEST könnte ein "Reparatur-Siegel" vergeben: das Gerät einmal von Fachleuten komplett zerlegen und danach (funktionsfähig) wieder zusammenbauen: Das Ergebnis gut sichtbar auf der Verpackung würde aus manchen Kassenschlagern schnell lahme Enten machen.

Die Regierungen der einzelnen EU-Staaten sind dazu zu schwach. Die deutsche Regierung stellt sich zum Beipiel seit gut 20 Jahren immer auf den Standpunkt: "Das regelt der Markt!", was ist aber Tagträumerei in Reinform ist. "Der Markt" kann nur kurzfristig und nie willentlich gemeinsam reagieren. Das können Monopole und Oligpole und das wissen wir ja, ist nicht das Ziel.

Beweis gefällig: Die Französische Regierung setzte konsequent auf AIRBUS. Die Deutsche Regierung auf die "das regelt der Markt!"-Philosophie. In Frankreich gibt es eine Flugzeugindustrie, hier fast nicht. Das wenige, was von AIRBUS in Deutschland produziert wird, könnte binnen Monaten nach Frankreich verlagert werden. Also: für weitreichende, strategische Entscheidungen braucht es eine staatlichen Rahmen und innerhalb dessen eine privatwirtschaftliche Umsetzung.

cobucom

Das ist ja schon einmal ein Ansatz, hilft aber auch noch nicht so richtig weiter. Was nützt mir eine Mindesthaltbarkeitsdauer, wenn das Gerät trotzdem kaputt geht und es keine Ersatzteile mehr gibt. Interessant wäre eine verpflichtende Deklaration der Hersteller, wie lange sie für ein bestimmtes Gerät Ersatzteile liefern werden. Da könnte es doch verschiedene Servicelevel geben, also z.B. für Billiggeräte vielleicht nur 2 Jahre, für bessere aber durchaus 5 oder 7 Jahre. Außerdem gibt es noch ein ganz anderes k.o.-Kriterium, was die Hersteller meiner Meinung nach sehr pflegen. Es geht um die Reparaturzugänglichkeit in den Innenraum bzw. die Servicefreundlichkeit vieler Geräte. Nur mal ein Beispiel: Warum werden Tintenstrahldrucker, ich behaupte bewusst, so gebaut, dass man die "Resttintenbehälter" sprich die Filze nicht mit wenigen Handgriffen wechseln kann sondern nur über eine komplizierte Zerlegung des Gerätes den Austausch bewerkstelligt bekommt. Mal abgesehen davon, dass mit dem Verkauf dieser Teile nirgendwo Werbung gemacht wird und deren Beschaffung meist sehr mühselig ist....

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