Konkurrenz und Markt überwachen

Legal spionieren

14. Juli 2009
Von Christa Manta
Mit den richtigen Methoden der Konkurrenzüberwachung können Unternehmen schon Jahre im Voraus erkennen, in welche Richtung sich Wettbewerber entwickeln oder wo ein Risiko droht, behauptet Rüdiger Buchkremer, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und ehemaliger Konzern-CIO. Seiner Disziplin, der Competitive Intelligence (CI), traut Buchkremer viel zu. Sogar, dass sie Krisen verhindern kann. Im Interview erklärt der Spezialist, wie sich CIOs damit profilieren können.
Rüdiger Buchkremer ist Professor für Informationsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Technik Chur und ehemaliger CIO von Altana.
Rüdiger Buchkremer ist Professor für Informationsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Technik Chur und ehemaliger CIO von Altana.

Herr Buchkremer, Competitive Intelligence, die Analyse von Markt und Konkurrenz, soll Unternehmen wichtige Informationen im Konkurrenzkampf liefern und helfen, rechtzeitig Chancen zu erkennen. Wie ist das möglich?

Rüdiger Buchkremer: Ich veranschauliche das mal mit einem Beispiel: Mit den richtigen CI-Methoden und der Analyse der entsprechenden Quellen hätte man bereits fünf bis zehn Jahre bevor die Presse es ahnte, voraussagen können, dass sich Mannesmann vom Stahl- zum Telekommunikationsunternehmen entwickelt. Zu diesem Ergebnis kam eine Diplomarbeit an unserer Hochschule. Stellen Sie sich mal vor, was dieses Wissen für einen Wettbewerber bedeutet hätte.

Das hätte die Konkurrenz sicher interessiert. Aber wie hätte sie das denn im Vorhinein mit legalen Mitteln erfahren können?

Rüdiger Buchkremer: Indem sie die entsprechenden Patentdatenbanken mit CI-Techniken durchforstet. In Patentdatenbanken gibt es wahnsinnig viel zu verwerten. Denn Patente werden sehr weit im Voraus eingereicht und sagen etwas darüber aus, was Unternehmen planen oder in welchen Bereichen sie forschen. Patentdatenbanken sind sehr stark indexiert und für jede Technik gibt es einen kleinen Code. Mithilfe dieser Codes kann man geographische Landschaften mit Bergen und Täler erstellen, die darüber Aufschluss geben, welche Techniken kommen und welche gehen, welche interessant werden könnten und welche weniger. Große Unternehmen zapfen diese Quellen schon längst an, doch gerade kleine und mittlere Unternehmen schauen da selten rein.

Rechtzeitig Risiken und Warnsignale erkennen

Könnte man denn mithilfe von CI auch herausfinden welche Technologie Risiken für das eigene Unternehmen birgt?

Rüdiger Buchkremer: Genau das ist eines der Hauptthemen von Competitive Intelligence: Warnsignale hören und Risiken erkennen. Zum Beispiel, welche Gefahren der Einsatz einer bestimmten Technik birgt, indem man Patentdatenbanken seziert. Ein anderes Beispiel: In den USA listen so genannte "warning letters" bis ins kleinste Detail, wenn Unternehmen Schwierigkeiten mit den Behörden haben, etwa wegen einer neuen Technologie. Diese Quellen zu untersuchen, ist leicht. Schwieriger wird es, ein niedriges Umsatzpotenzial für ein bestimmtes Produkt abzuschätzen. Aber durch den Vergleich mit ähnlichen Situationen oder anderen Ländern kann man jede Menge relevanter Informationen herausfinden.

Hätte mit CI denn auch die Entwicklung der aktuellen Wirtschaftskrise beeinflusst werden können?

Rüdiger Buchkremer: Ich behaupte: Ja. CI ist Voraussetzung für einen gesunden Wettbewerb und einen transparenten Markt. Die Krise hätte mit mehr Transparenz und Wettbewerb vielleicht nicht ganz verhindert werden können, aber es hätte doch Vieles vermieden werden können. Ganze Branchen haben Fehler gemacht. Fehler, die zum Beispiel ein Branchenbarometer vorhergesehen hätte. Ich vermute, dass die Regierungen künftig Konkurrenz- und Marktbeobachtung zur Pflicht machen werden. Da werden KMUs noch ihre Überraschung erleben, denn große Unternehmen betreiben CI schon längst.

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