Neues Arbeitszeitgesetz

Lenkzeit ist Geld

22. Juni 2007
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Wer mit Frachtführern zu tun hat, lernt durch die neuen Arbeitszeitregelungen besonders schmerzlich, wie viel eine gute Dispositions-Software Wert ist. Immer stärker setzt sich IT-Unterstützung auch beim Service vor Ort durch.
Logistik: Doppeltes Erfassen bestimmter Dokumente wird künftig vermieden.
Logistik: Doppeltes Erfassen bestimmter Dokumente wird künftig vermieden.

Arbeitszeit ist seit Anfang 2007 noch kostbarer. Vor allem in der Logistikbranche wirken Neuregelungen von Lenk- und Ruhezeiten und das neue Arbeitszeitgesetz einschneidend. Der stark steigende Mehrbedarf an Kraftfahrern muss erfasst werden, Optimierungs- und Einsparpotenziale sollen die finanziellen Belastungen abmildern. "Eine Senkung der Fahrerzeiten von 60 auf 48 Stunden bedeutet eine Erhöhung des Bedarfs um 20 Prozent - und es ist jetzt schon schwer, qualifiziertes Personal zu finden", klagt Mark Brinkhaus, Leiter des Kompetenzzentrums Transport & Disposition bei der Roman Mayer Group.

Um sich gegen die Auswirkungen der neuen Gesetze zu wehren, rüsten sich die Augsburger mit IT und Telekommunikation. Der Einsatz von Telematik und Flottenmanagementsystemen soll eine bessere Personalplanung ermöglichen. Die Anzahl der Geräte wurde um eine dreistellige Zahl erhöht. In eine Software zur Auswertung der Daten des digitalen Tachographen haben die Augsburger ebenfalls investiert, ferner ist die Einführung einer Personaldispositions-Software geplant. Diese war bisher nicht notwendig, erweist sich jetzt aber allein schon durch die wachsende Mitarbeiterzahl als unerlässlich.

Tansport-Branche: Steigende Umsätze.
Tansport-Branche: Steigende Umsätze.

"Wir wollen zukünftig aktuell Informationen über die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer abrufen können und einen täglichen Abgleich zwischen Soll- und Ist-Arbeitszeit durchführen. Nur so können wir vorausschauend
planen", sagt Brinkhaus. Wegen der geforderten Doppelwochenbetrachtung sei eine Disposition mit den bisher gängigen Fahrtenberichten nicht mehr möglich. "Wenn der Fahrer erst nach einer Woche den Zettel abgibt, hat er vielleicht schon 70 Prozent seiner für zwei Wochen zulässigen Arbeitszeit verbraucht."

Integrationstrend ungebrochen

Ungebrochen in der Logistikbranche ist der Trend zu IT-Integration - zum Teil bedingt durch die Fusionen und Übernahmen der letzten Jahre. Standardlösungen werden dabei vorgezogen. Die großen ERP-Hersteller versuchen mittlerweile jede Lücke zu schließen. So etwa SAP mit dem Modul SAP-LES, das immer mehr Unternehmen einsetzen. Häufig werden Standardlösungen allerdings mit Individualentwicklungen und Nischenlösungen ergänzt. "Gerade im Bereich Transportmanagement und Transportoptimierung sowie bei mobilen Endgeräten gibt es sehr viele Innovationen, die an eine solche Standard-Lösung angekoppelt werden müssen", erklärt Martin Raab, Leiter Logistik & Transport bei Capgemini Deutschland.

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