Migration mit deutlicher Verspätung

LiMux zieht in München ein

25. September 2006
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Florian Schießl gibt sich optimistisch: "Jetzt kommen wir stetig voran", erklärt der LiMux-Projektsprecher der Stadt München. Zuversicht scheint auch nötig, beginnt die Migration der Stadtverwaltung von Windows auf Linux doch mit rund einjähriger Verspätung. Erstes Etappenziel: Bis Jahresende sollen 200 von insgesamt 14.000 PCs umgestellt sein.

Zur komplett Windows-freien Zone wird sich die bayerische Landeshauptstadt aber nicht entwickeln: Einige Hard- und Software-Produkte in der Verwaltung erforderten auch weiterhin Windows, so Schießl. Außerdem bleiben für den Bereich Desktop Publishing einige Apple-Rechner im Einsatz. Ziel der Stadt ist es daher, bis 2008 rund 80 Prozent aller Desktop-Systeme unter Linux zu betreiben.

Dass das Ganze nun deutlich länger gebraucht hat, als ursprünglich geplant, liegt nicht nur an einer Debatte um Software-Patente, sondern auch an unerwartet langwierigen Verhandlungen mit den Dienstleistern, die sich um Systemkonfiguration und Support beworben haben. Dann wurde auch noch die Pilotphase um ein Jahr verlängert. Dazu habe man sich wegen der Komplexität der Migration entschieden, so Projektsprecher Schießl.

Der Stadtchef und der Pinguin

Einer der ersten User, der künftig im Zeichen des Pinguins arbeitet, ist Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Der Chef der Stadt will 16.000 Anwendern mit gutem Beispiel voran gehen und schwärmt denn auch: "Für den normalen Anwender ändert sich wenig." Wer trotzdem Probleme bei der Formatkonvertierung von Office-Dokumenten hat, kann auf Richtlinien des Linux-Teams zurückgreifen. Das eingesetzte Systeme basiert auf der GNU/Linux-Distribution Debian 3.1 mit KDE 3.5 als Benutzeroberfläche und OpenOffice.org 2 als Bürosuite.

Hintergrund der Migration ist ein Stadtratsbeschluss, der schon im Jahr 2003 gefallen war. Das Feinkonzept wurde in Zusamenarbeit mit IBMIBM und Suse/Novell erstellt. Bereits zwei Jahre vorher hatten die Lokalpolitiker Alternativen zu MicrosoftMicrosoft prüfen lassen. Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Außer der Isar-Metropole wollen auch Wien und die norwegische Stadt Bergen auf Linux migrieren. Während die Münchner ihr neues System lokalpatriotisch als "LiMux" hypen, sprechen die Österreicher jovial von Winux. Für welche Diktion sich die Norweger entschieden haben, ist bisher nicht überliefert.