Risiko eingehen

Lohnen Auslandsaufenthalte für CIO-Karrieren?

Sabine Thiemann ist Beraterin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Sie ist unter anderem auf CIO-Positionen spezialisiert. Sie ist Beraterin im Münchner Büro von Heidrick & Struggles International und Mitglied der globalen Information & Technology Officers Practice sowie der Global Technology & Services Practice.
In Wenigem sind sich Karriereexperten so einig wie in dieser Frage. Für Führungskräfte sollte eine längere Auslandsstation in jedem Fall Bestandteil des Lebenslaufes sein. Gilt dies auch für IT-Experten und CIOs?

Die Vorteile von Auslandsstationen liegen auf der Hand. Wer bei einer Landesgesellschaft fernab der Firmenzentrale seinen Dienst tut, lernt in kurzer Zeit viele neue Dinge. Er lernt mit einer fremden Kultur umzugehen, lernt eine neue Sprache, verbessert sein Business-Englisch und lernt vor allem eine andere Perspektive kennen.

Expatriates, also im Ausland lebende Mitarbeiter, dürfen in der Regel mehr unternehmerische Verantwortung übernehmen, sie arbeiten oft direkt dem Landes-CEO zu, erwerben dabei eine Breite an Wissen und bewegen sich in einer freieren Umgebung als in der Hierarchie des Headquarters. Viele Dinge also, die die Persönlichkeit schulen und die Lernkurve sowie den Erfahrungsschatz wachsen lassen.

ITler gehen traditionell weniger ins Ausland

Viele Führungskräfte wissen das, und sie wissen auch, dass Auslandserfahrung beim internen Aufstieg oder dem Wechsel des Arbeitgebers hilfreich ist. Dennoch erleben wir in der IT-Welt, dass Auslandserfahrung traditionell weniger erworben wird als in anderen Unternehmensfunktionen.

Woran liegt das? Großkonzerne legen Führungskräften aus Marketing und Vertrieb eher nahe, ins Ausland zu gehen, um das globale Unternehmen besser kennenzulernen. Bei erfolgreicher Tätigkeit bieten sie ihnen im Anschluss an den Auslandsaufenthalt einen nächsten Schritt wie Geschäftsführungsaufgaben, Leitung einer Business Unit oder P&L-Verantwortung an.

Dagegen arbeitet man im IT-Bereich (wie auch im HR- oder Finanzbereich) ohnehin schon sehr international mit anderen Kollegen und Fachbereichen zusammen und verbringt auch mal 2-3 Wochen an einem anderen Standort. Jedoch stufen Unternehmen einen Karriereschritt einer IT-Führungskraft nach einem mehrjährigen Aufenthalt eher als unsicher ein und stellen ihn vermutlich auch gar nicht erst in Aussicht. Ich halte das für ein Manko.

Gerade heute, wo sich die IT zum Business Partner des Top-Managements entwickelt, wo CIOs einen wesentlichen Beitrag zur digitalen Transformation und anderen zentralen strategischen Neuausrichtungen leisten, sind die IT-Manager gefordert, ihre Lebensläufe und Erfahrungen den Standards im Management anzugleichen.

Ein positives Beispiel für einen klaren Karriereschritt

Wenn auch nicht sehr viele, so gibt es auch unter CIOs positive Beispiele. Der ehemalige Corporate Director IT von Henkel, Jörg Heinen, verantwortete vier Jahre lang als Head of IT die Regionen England, Irland und Nordeuropa und bekam im Anschluss die Verantwortung für gesamt West-Europa (16 Länder) als Regional CIO und Corporate Director. Ein klarer Karriereschritt nach seiner Expatriate Zeit.

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