Mobiles Bezahlen

Macht Bluetooth der NFC-Technik den Rang streitig?

23. Februar 2014
Das mobile Bezahlen per Smartphone schien schon oft kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Doch noch immer wartet die Branche vergebens auf den durchschlagenden Erfolg einer Lösung mit dem Funkstandard NFC. Frische Impulse könnten jetzt vom Bluetooth-Standard kommen.

Einfach an der Kasse mit dem Smartphone bezahlen - BankenBanken, Mobilfunk-Provider, Smartphone-Hersteller und unzählige Start-up-Unternehmen stehen für diese Vision längst in den Starlöchern. Lange schien die Nahfunk-Technik NFC die besten Aussichten zu haben, dabei zum weltweiten Standard zu werden. Auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona werden ab Montag zahlreiche neue Einsatz-Szenarien zu sehen sein. Doch zum großen Durchbruch kam es bislang nicht. Top-Firmen der Branche Banken

Nun könnte aber von ganz anderer Seite Konkurrenz nahen. Der altbekannte Bluetooth-Standard hat in seiner neuen Funktion das Zeug, sich bei der mobilen Kommunikation und selbst bei Transaktionen einen deutlichen Vorsprung zu verschaffen, schätzen manche Beobachter.

Bluetooth wurde als Standard bereits in den 90er Jahren entwickelt. Anders als NFC kann die Technologie Entfernungen bis hin zu 100 Meter überbrücken. Ursprünglicher Zweck des Übertragungsstandards, der nach dem dänischen König Blaubart benannt ist, ist der kabellose Austausch von Daten wie etwa vom PC zum Drucker. Der große Nachteil bestand allerdings lange im großen Stromhunger. Auf mobilen Geräten konnte ein aktiviertes Bluetooth unangenehm schnell für leere Akkus sorgen. Bluetooth Low Energy (BLE) gibt es seit 2010 und es wird bereits von AndroidAndroid 4.3 und Apples iOS-System unterstützt. Inzwischen sind nun neue Anwendungen auf dem Markt, die das Potenzial des Funkstandards voll ausschöpfen sollen. Alles zu Android auf CIO.de

NFC sei inzwischen in nahezu allen Android-Smartphones integriert, das werde man auch in Barcelona sehen, betont Jeff Miles, Manager des NFC-Chip-Herstellers NXP. Damit sei die Technik als allgemeiner Standard etabliert. Auf einer Smartphone-Plattform fehlt NFC allerdings: AppleApple geht nämlich einen anderen Weg, auch in den aktuellen iPhone-Modellen haben die Ingenieure aus Kalifornien bewusst auf einen NFC-Chip verzichtet. Dafür integriert Apple Bluetooth und nutzt in einigen Apple Stores in den USA bereits sogenannte iBeacons für die Kundenkommunikation. Alles zu Apple auf CIO.de

Mit dem stromsparenden Bluetooth LE kann der Funkempfang ständig aktiviert bleiben und so ungehindert als Kommunikationsweg genutzt werden. Branchenbeobachter wie die Agentur AppAdvisors sehen gerade im Stromverbrauch die größte Hürde auch für Micropayment-Technologien, wenn es um die Massentauglichkeit geht.

Bluetooth könnte der NFC-Technologie damit die Vorreiter-Rolle streitig machen. Zusammen mit den funkenden Beacons könnte der Blauzahn-Standard vor allem im stationären HandelHandel punkten. Beacons basieren auf der Sensor-Technologie Bluetooth Smart, die von der Bluetooth Special Interest Group (SIG) entwickelt wurde. Über kleine, in einem Laden stationierte Beacon-Sender können Händler den SmartphonesSmartphones ihrer Kunden die exakte Position in einem Geschäft mitteilen und über eine App bestimmte Marketing-Botschaften kommunizieren oder besondere, individuell zugeschnittene Sonderangebote machen. Alles zu Smartphones auf CIO.de Top-Firmen der Branche Handel

"Der Einzelhandel wird der erste Bereich sein, der auf Beacons setzen wird, aber das ist erst der Anfang für Beacons, die auf Bluetooth Smart beruhen", ist Suke Jawanda, Marketing-Chef bei Bluetooth SIG überzeugt. Der zu eBay gehörende Bezahldienst PayPal testet derzeit als starker Partner standortbasierte Zahlungsmöglichkeiten mit Beacons in einigen Läden in den USA und Australien. Weitere Pilotprojekte sind in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Kanada geplant. PayPal-Chef David Marcus ist ein scharfer Kritiker der NFC-Technik: Es sei eine "Lösung auf der Suche nach einem Problem", die keine Vorteile gegenüber bisherigen Verfahren bringe.

Eine Stärke von Bluetooth könnte sein, dass der Funkstandard zusammen mit den Beacons und entsprechender Software neben dem mobilen Bezahlen weitere Möglichkeiten bietet. So könnte ein Lebensmittelladen - wenn der Kunde es wünscht - über die Smartphone-App ermitteln, wann er zuletzt Milch gekauft hat und ihn an Nachschub erinnern, wenn er gerade vor dem Milchregal steht. "Die Anpassung von Bluetooth Smart für den Einsatz im Einzelhandel bildet die Basis für eine explosionsartige Entwicklung der Beacon-Technologie in den nächsten Jahren", ist sich Jawanda sicher.

"Wir erwarten, dass Bluetooth in diesem Jahr eine viel größere Rolle im mobilen Bezahlsystem spielen wird", sagt Jennifer Kent, Analystin bei Parks Associates. Dafür müssten die Geschäfte allerdings erst mit der Technologie aufgerüstet werden, wendet Miles ein. Die jeweiligen Nutzungs-Szenarien von NFC und BLE seien komplett verschieden. Für den verschlüsselten Bezahlvorgang sieht der NXP-Manager ohnehin keine drohende Konkurrenz für NFC. (dpa/rs)

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