Studie: Cloud braucht eigenen Administrator

Machtkampf um die Wolke

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Wer wirklich von der Private Cloud profitieren will, muss die bisherigen Administratoren entmachten. Das sagen die Analysten von Forrester Research. In der Wolke brauche es eigene Chefs, weil die Cloud mehr als eine Virtualisierung auf neuer Leistungsstufe sei.
Um das Cloud-Puzzle bestmöglich zusammenzusetzen, braucht es eigene Administratoren. Davon geht jedenfalls Forrester Research aus.
Um das Cloud-Puzzle bestmöglich zusammenzusetzen, braucht es eigene Administratoren. Davon geht jedenfalls Forrester Research aus.
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Auch in wolkigen Höhen gibt es Irrwege und falsche Abzweigungen. So liest sich jedenfalls eine Studie von Forrester Research, in der die Analysten James Staten und Lauren E. Nelson vor falschen Annahmen warnen und den Aufstieg einer neuen, bald unerlässlichen Spezies vorhersagen: der Cloud-Administrator. Cloud ComputingCloud Computing störe die ausgetrampelten Virtualisierungspfade. CIOs müssten verstehen, dass die Infrastruktur-Verantwortlichen nicht wirklich in die Wolke wollten. Außerdem habe das Business eine andere Ansprüche an die Private Cloud als die IT. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Ausweitung der Public Cloud-Zone

In der Hälfte der Firmen stehen laut Forrester Investitionen in die Private Cloud ganz oben auf der Agenda. Aber weder in den größten Unternehmen noch in jenen mit der stärksten Public Cloud-Prägung sei es die IT, die die Bestrebungen anführe, so die Analysten. Stattdessen sei ein neuer Administratorentypus am Werk, der Private Clouds nicht als bloße Fortführung von Server-Virtualisierung begreife, sondern als Ausweitung der Public Cloud-Zone.

Eine ketzerische Ausgangsthese des Analysten-Duos lautet: Die Private Cloud sei in den meisten Firmen in Wahrheit überhaupt keine Cloud – auch wenn man das so nenne oder Software mit diesem Etikett verwende. Solange weder ein Self Service-Zugang für die Entwickler bestehe, noch alles standardisiert und automatisiert sei, noch ein Pay-Per-Use-Modell oder ein ähnlicher Mechanismus greife, handle es sich nicht um eine echte Private Cloud. Wenn die genannten Kriterien nicht erfüllt sind, sei laut Forrester lediglich eine effizientere, schnellere und bessere Virtualisierungs-Stufe erklommen.

„Hochleistungsvirtualisierung ist großartig", schreiben Staten und Nelson. „Wahrscheinlich läuft da alles automatisierter, gestraffter und kosteneffektiver ab als im vergangenen Jahr – und vermutlich wirft jeder investierte Dollar mehr ab als in einer früheren statischen Infrastruktur." Aber dabei gehe es nicht um Cloud-Mehrwert, und diesen Unterschied müsse man sich vergegenwärtigen.

Bei virtualisierten Apps handle es sich zumeist um klassische Windows- oder Linux-Anwendungen mit einer statischen Ressourcenkonfiguration. Demgegenüber seien Cloud-Apps ihrer Natur nach elastisch und kurzlebig. Sie sind laut Forrester so angelegt, dass sie wachsen können und mit anderen Web-Services in Austausch treten können. Und sie sind optimiert für Cloud-Umgebungen, zugleich hoch standardisiert und für mehrere Kunden zugleich gedacht. Vor diesem Hintergrund ist es laut Forrester zwecklos, aus der klassischen Anwedungsumgebung Cloud-Mehrwert schöpfen zu wollen.