Unternehmen scheuen den Schritt weg vom Großrechner

Mainframes als Perfomance-Killer

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Mehr als die Hälfte der britischen Call-Center (56 Prozent) setzt im Kundendienst immer noch Großrechner ein. Den Unternehmen fällt die Trennung von den Mainframes schwer - obwohl ein Viertel in ihnen die Ursache für schlechten Customer Service sieht. Das zeigt eine Umfrage des Instituts Dynamic Markets.

Die in den Kunden-Centern eingesetzte Technologie ist häufig extrem alt: im Durchschnitt 21 Jahre. Der älteste noch laufende Rechner wurde gar vor 51 Jahren zusammengeschraubt.

Die Nachteile bekommen die Agenten vor Ort zu spüren. 46 Prozent der Unternehmen räumten ein, dass sich ihre Mitarbeiter über Schwierigkeiten im Umgang mit Mainframe-Anwendungen beklagen; 44 Prozent geben zu, dass sich die Einarbeitung verzögert.

Die IT-Experten in den Unternehmen gewichten die Vorzüge der Mainframes allerdings höher: 74 Prozent sagen, die Großrechner erfüllen ihre Aufgabe; 46 Prozent schätzen an ihnen die Zuverlässigkeit. Kein Wunder, dass 72 Prozent noch nicht einmal versucht haben, sich von den verlässlichen Dingern zu trennen. Die Hälfte empfindet ein Umsatteln auf modernere Systeme schlicht als zu riskant.

Die Manager der Call-Center sehen das ganz anders - die Wahrnehmungsschere geht weit auseinander: Führen Großrechner zu Ineffizienz? Die Hälfte der Kunden-Center-Manager sagt ja, aber nur 14 Prozent der IT-Experten. Beeinträchtigen die Mainframes den Dienst am Kunden? Ja, meinen 36 Prozent der Call-Center-Manager, jedoch lediglich 16 Prozent der IT-Verantwortlichen. Im Durchschnitt ergibt dies das eingangs erwähnte Viertel.