Krisenmanagement: Positive Gerüchte bewirken mehr als jede Mitteilung

"Manager können lernen, authentisch zu sein und Fehler zu vermeiden"

23. März 2009
Von Karsten Langer
Manager reagieren mit Angst auf die Krise. Das ist grundfalsch. Sie müssen jetzt Misstrauen bei Mitarbeitern abbauen, Sinn vermitteln und glaubwürdig sein. Das kann man lernen. Ein Interview mit Unternehmensberater Michael Löhner.

Welche Führungspersönlichkeiten braucht die Krise?

Das ist unterschiedlich, bis auf die Eigenschaft der Sinnstiftung in Krisen. Die Treiber aus einem Sinn heraus haben vergangenes Jahr gewechselt. Bis August vergangenen Jahres herrschte bei vielen Managern ein Paradigma der Gier, das da lautete: Haben, schnell und viel. Dann brach das Kartenhaus in einer noch längst nicht bewältigten katastrophalen Vertrauenskrise zusammen und danach wandelte sich das Paradigma der Gier zum Paradigma der Angst.

Meinen Sie existenzielle Angst?

Zunächst ist es die Angst, die sich aus dem Wegbrechen verlässlicher Werte heraus erklärt. Menschen glauben plötzlich erheblich weniger den politischen und wirtschaftlichen Aussagen über finanzielle Sicherheiten. Viele Menschen haben die Hälfte ihrer Ersparnisse verloren, die räumen nun ihre Konten und bunkern ihr Bargeld in Schließfächern.

Und was hat das mit den Managern zu tun?

Es stellt sich die Frage für die Energie im Unternehmen. Was sind die starken Antriebe der Menschen, die Manager werden? Gier oder Angst? Dieser Antrieb wird weitergegeben und bestimmt die Unternehmenskultur. Gier hat lange gut funktioniert. Jetzt hat sie viel an Kraft verloren. Und die Angst hat zugenommen. Angst kann bedingt ein kurzfristig wirksamer Treiber sein. Angst aktiviert Höchstform. Sie aktiviert alles, was der Mensch zum Überleben braucht. Funktional-ökonomisch mag Angst interessant sein, ethisch-ökonomisch ist aber nicht zu verantworten, dass das Geld der wenigen durch das Leid von vielen verdient wird.

Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Foto: manager-magazin.de

Angst und Gier - das sind doch kaum Eigenschaften, die die Krise von Führungskräften fordert?

Angst und Gier sind negative Treiber. Aber es gibt auch positive Treiber, die ökonomische Erfolge generieren. Und die betreffen den Manager, der auf einmal etwas leisten muss, was er vor der Krise nicht leisten musste: Er muss Vertrauen stiften in die FührungFührung durch seine Person, Vertrauen in das Management durch die Person des Managers. Menschen, denen man nicht vertraut, fordern in besonderer Weise, dass man sie misstrauisch hinterfragt. Wie wird das Management gelesen - das ist wichtiger als das, was das Management schreibt. Wenn die Unternehmenskultur sich verändern soll, muss auch an den Sinn geglaubt werden. Misstrauen kostet viel Geld. Alles zu Führung auf CIO.de