Transitland Österreich

Maut aus der Mikrowelle

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Seit 100 Tagen senden LKWs in Österreich ihre Maut-Daten per Mikrowelle an Antennenbrücken. Rund 50 Millionen Euro monatlich fließen so in die Staatskasse. Das Patent für die einfache und funktionale Lösung stammt aus Deutschland.

Kleine Länder tendieren zu kleinen Lösungen: Seit dem 1. Januar gilt in Österreich die fahrleistungsabhängige Maut für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Anders als in Deutschland haben die Nachbarn jedoch auf eine satellitengestützte Technik verzichtet und empfangen stattdessen Mikrowellen von Sendern an den Lastwagen. "Ich bin der Auffassung, dass die deutsche Lösung zu teuer ist", sagt Wilfried Pruschak, Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik, die von Wien aus die österreichische Maut abrechnet. "Komplizierte Technik und eine kritische Zeitleiste - das ist keine gute Kombination."

Während in Deutschland noch kein einziger Cent von der Straße in die Staatskasse rollt, nehmen die Österreicher monatlich rund 50 Millionen Euro Maut ein. Obendrein müssen deutsche Spediteure ihre LKWs für durchschnittlich vier Stunden in einer Werkstatt parken, um die aufwändigen On-Board-Units (OBUs) zu installieren, die alle Abrechnungsdaten zum Mautkonsortium senden. In Österreich rollen die Fahrzeuge nach 20 Minuten wieder vom Hof. Der Fahrer zahlt fünf Euro Bearbeitungsgebühr für die Personalisierung der OBU, die dort "Go-Box" heißt. Anschließend sendet das Gerät auf einer Mikrowellen-Frequenz fünf Jahre lang an die Empfangsbarken entlang der Straßen. Wenn die Batterie alle ist, soll der Spediteur das rund 50 Euro teure Gerät zurückbringen, das er nicht einmal selbst bezahlt hat. "Es wird über ein Pfandsystem nachgedacht", erklärt Pruschak.

Wilfried Pruschak, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik „Ich glaube, dass die deutsche Lösung zu teuer ist. Komplizierte Technik und eine kritische Zeitleiste sind keine gute Kombination.“
Wilfried Pruschak, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik „Ich glaube, dass die deutsche Lösung zu teuer ist. Komplizierte Technik und eine kritische Zeitleiste sind keine gute Kombination.“

800 Barken stehen entlang Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen, im Schnitt alle fünf Kilometer. Dazu kommen 100 Kontrollbarken, die sich nachts durch ihr bläuliches Licht verraten. Sie stehen 15 Meter hinter den normalen Barken und schießen Fotos von allen LKWs und Bussen. Die Fotos werden sofort wieder gelöscht, wenn sie die empfangenen Angaben aus der ersten Barke bestätigen. Fährt ein LKW ohne OBU durch die erste Barke oder hat ein Fahrer die falsche Achsenzahl angegeben - sprich: den Anhänger verheimlicht -, dann meldet die Kontrollbarke dies gleich an das Innenministerium in Wien. 1,8 Prozent Maut-Preller sortierte das Überwachungssystem bislang aus. "Die bekommen dann von uns ein Vergleichsangebot in Höhe von 220 Euro", sagt Pruschak.

Allein die Strafzettel können ein RechenzentrumRechenzentrum mittlerer Größe auslasten. Insgesamt laufen bei der Raiffeisen Informatik jedoch zwei Millionen Transaktionen täglich ein, die aus bis zu 120000 LKW-Fahrten resultieren. Um sie in 30000 Rechnungen pro Monat umzuwandeln, sind 260000 Einzelvertragspartner, also Spediteure, mehr als 21 externe und 290 interne Schnittstellen angebunden. Eine Online-Datenbank von OracleOracle speichert durchschnittlich 5,4 Terabyte mit Transaktionsangaben. Nach drei Tagen werden diese Daten gestaucht und wandern dann in einen Langzeitspeicher, in dem die Raiffeisen Informatik nach den ersten drei Monaten Betriebszeit bereits 13 Terabyte angesammelt hat. In Endausbau soll das Archiv 80 Terabyte beherbergen. Zwei StorageStorage Area Networks (SANs) von Hitachi stehen dafür bereits zur Verfügung. HP- und Sun-Geräte bewältigen die Rechenarbeit mit insgesamt 342 Gigabyte RAM. Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de Alles zu Storage auf CIO.de