Karriereplanung

MBA ist kein Karriere-Turbo mehr

09. November 2009
Von Lothar  Kuhn und Britta Domke
MBA-Absolventen haben inzwischen das Image kühl kalkulierender Zahlenmenschen, die vor allem nur eines im Blick: den eigenen Vorteil. Der Titel ist kein Freifahrtschein mehr in die Chefetagen. Auch hat die Rezession die Lage für MBA-Absolventen deutlich verschlechtert.

Wer seinen Master of Business Administration (MBAMBA) an der renommierten französischen Hochschule Insead machen möchte, muss sich sputen - am 2. Dezember läuft die Bewerbungsfrist für das nächste Programm ab. Das Auswahlverfahren ist streng, die Anforderungen sind hoch: fünf Aufsätze, zwei Empfehlungsschreiben, beruflicher Werdegang, Nachweis ausgezeichneter englischer Sprachkenntnisse und analytisch-logischer Fähigkeiten sowie eine Ehrenerklärung, dass alle Angaben richtig und die Essays selbst verfasst sind. All dies ist aber überhaupt erst die Voraussetzung, um zu einem Auswahlgespräch eingeladen zu werden. So mancher wird sich fragen: Lohnt sich der Aufwand? Ist der MBA-Titel die 51.000 Euro Studiengebühren, die Insead verlangt, überhaupt wert? Alles zu MBA auf CIO.de

Diese Fragen sind nur allzu verständlich. Denn viele Bewerber haben bereits einen gut bezahlten Job, sie wollen KarriereKarriere machen und müssen daher sorgfältig abwägen, ob sich ein MBA-Programm für sie auszahlen wird. Zugleich zeigen die Fragen, warum der MBA in die Kritik geraten ist. Schließlich sollte die Entscheidung für oder gegen ein Studium mehr als eine nüchterne Abwägung von Kosten und Nutzen sein. Eine solche Ausbildung sollte auch Erkenntnisgewinn und eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit ermöglichen. Stattdessen werben viele Hochschulen mit den Gehaltszuwächsen, die ihre Absolventen erzielen. In vielen Rankings der Business Schools ist der Einkommenszuwachs eines der wichtigsten Kriterien. Alles zu Karriere auf CIO.de

So ist das Bild des MBA-Absolventen als kühl kalkulierender Zahlenmensch entstanden, der vor allem eines im Blick hat: den eigenen Vorteil. Schlimmer noch: Die Business Schools hätten "die Irrlehre des Shareholder-Value verbreitet und damit viele Jahrgänge von MBA-Absolventen geistig irregeleitet", klagt Fredmund Malik, Unternehmensberater und Anbieter von Weiterbildungsprogrammen. Die Lehrinhalte hätten das Streben nach Gewinnmaximierung gefördert, das für die Wirtschaftskrise mitverantwortlich sei. Und genüsslich zählen die Kritiker auf, welche Manager mit MBA-Abschluss an den Spitzen der Banken standen, die jetzt pleite oder schwer ins Straucheln geraten sind.

Sind die MBAs also die "Masters of Disaster", wie der deutsche Buchautor Alexander Ross spottet? Verliert die Ausbildung den Nimbus als Karriereturbo?

Foto: Harvard Businessmanager

Gefunden in: Harvard Business Manager

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