Umfrage

Mehrheit will mehr staatliche Regeln im Internet

03. Dezember 2013
Es klingt paradox: Mitten im NSA-Skandal wollen die Menschen in Deutschland mehr staatliche Kontrolle des Internets. Gleichzeitig glauben sie nicht, dass solche Maßnahmen viel bringen, ergab eine aktuelle Studie.

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland sorgen sich einer Umfrage zufolge um die Überwachung ihrer Aktivitäten im Netz, fordern aber gleichzeitig mehr staatliche Kontrolle. Viele Nutzer sehen Gefahren im Internet, etwa durch Computerviren (72 Prozent), Überwachung des eigenen Surfverhaltens (57 Prozent) oder dem Diebstahl persönlicher Daten (50 Prozent). Das ergab eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) in Auftrag gegeben und am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Eine Mehrheit der Befragten meint, dass es mehr staatliche Regeln für die Anbieter von Internetseiten geben sollte. Das sagten 61 Prozent der Menschen. Fast ebenso viele (57 Prozent) finden, dass der deutsche Staat Inhalte von Internetseiten stärker kontrollieren sollte.

Gleichzeitig glauben die meisten Befragten nicht, dass einzelne Länder im Netz effektiv durchgreifen können. Eine wirksame Überwachung des Internets und seiner Inhalte hält fast die Hälfte für unmöglich. "Was daraus spricht, ist ein gewisser Fatalismus", sagte Renate Köcher vom Allensbach-Institut. Viele Menschen forderten zwar staatliches Handeln, bezweifelten aber dessen Wirkung. "Man muss sich im Klaren sein, dass Menschen widersprüchlich sind", sagt die Forscherin.

Trotz der allgemeinen Empörung über die Online-Überwachung durch Geheimdienste wie der NSA sprechen sich die Deutschen mehrheitlich für mehr staatliche Internetkontrolle aus. Der Studie zufolge gehen für die meisten Menschen die Gefahren im Netz eher von Unternehmen aus als vom Staat. So sehen zZwei Drittel der Befragten ihre Freiheit dadurch gefährdet, dass Firmen Nutzerdaten auswerten und den Menschen auf sie zugeschnittene Angebote präsentieren. Eine staatliche Überwachung bewertet dagegen nur knapp die Hälfte (49 Prozent) als Gefahr für die Freiheit.

Das Unwohlsein ist auch deswegen so groß, weil viele Nutzer nicht wissen, was eigentlich mit ihren Daten passiert. "Sie haben erstmal ein Problem damit, dass ihre persönlichen Daten als Fundgrube für kommerzielle Interessen gesehen werden", sagte Allensbach-Direktorin Köcher. Unternehmen sollten besser erklären, wie sie Nutzerdaten auswerten. Trotz der Sorgen um Hacker, Viren oder eine unangemessene Analyse der persönlichen Daten überwiegen für die Mehrheit der Befragten die Vorteile des Internets: Das sind vor allem schnelle Informationen, Kontakt zu anderen Nutzern, Preisvergleiche beim Einkaufen. "Insgesamt zeigt das, wie kompliziert die Beziehung der Bürger zum Netz ist", sagte Köcher.

Für die Umfrage im Auftrag des DIVSI wurden im Oktober diesen Jahres 1487 Personen befragt, die einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren in Deutschland bilden. Das DIVSI wurde von der Deutschen Post gegründet, die mit dem E-Postbrief ein Produkt für sichere Kommunikation im Netz vermarktet. (dpa/rs)

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