"Große Kanone"?

Merkwürdige Störungen in Chinas Internet lösen Spekulationen aus

28. April 2015
Fährt China die "Große Kanone" im Netz auf? Oder ist es eine fehlerhafte Konfiguration? Das chinesische Internet leitet massenhaft Verkehr in die Irre. Der Ärger beginnt mit dem kleinen blauen Facebook-Knopf.

Das chinesische Internet erlebt merkwürdige Störungen, mit denen massenhaft Online-Verkehr fehlgeleitet wird. Wenn Nutzer eine Webseite mit einem blauen Facebook-Symbol besuchen wollen, werden sie automatisch weitergeleitet. Man landet meist auf der Open-Source-Software-Seite wpkg.org oder manchmal auch bei einem privaten Reiseblog eines polnischen Paares - wo inzwischen aber nur noch eine Fehlermeldung angezeigt wird.

"Es liegt an dem Knopf, der andere Webseiten mit FacebookFacebook verbindet", sagte Mikko Hyppönen von der finnischen Software-Sicherheitsfirma F-Secure am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Peking. "Ich denke, es ist ein Programmierfehler oder eine fehlerhafte Konfiguration", sagte Hyppönen zu Spekulationen über eine möglicherweise gelenkte Attacke. "Es ergibt keinen Sinn." Alles zu Facebook auf CIO.de

Der Computerexperte Tomasz Chmielewski von der betroffenen Software-Firma wpkg.org sieht hingegen die Veränderungen in dem staatlichen chinesischen Schutzwall gegen unliebsame Webinhalte seit Anfang des Jahres als Ursache. "Es hängt mit der chinesischen Firewall zusammen", sagte er der dpa. Auf ähnliche Weise sei auch die Webseite des Hostings-Dienstes GitHub Ende März zum Ziel von gewaltigem Internetverkehr geworden.

GitHub sprach von einer "verteilten Dienstblockade" (DDoS). Dabei wird ein ServerServer gezielt mit so vielen Anfragen bombardiert, dass das System die Aufgaben nicht mehr bewältigen kann und zusammenbricht. Auch im chinesischen Internet wurde jetzt über einen Einsatz der "Großen Kanone" spekuliert, wie in China die gezielte Umleitung von Internetverkehr für Attacken auf Webseiten genannt wird. Alles zu Server auf CIO.de

Der Begriff lehnt sich an die "Große Firewall" an, mit der die Blockade von Webseiten in China in Anspielung an die Große Mauer beschrieben wird. Ein Experte schrieb auf der chinesischen sozialen Plattform Zhihu: "Auf wen zielt die Große Kanone? Wer wird die nächste, ungerechterweise angegriffene Webseite?"

Ausländische Webseiten wie etwa die der deutschen Tageszeitung "Die Welt" oder auch des amerikanischen Nachrichtensenders CNN lassen sich nur eine Sekunde aufrufen, bevor der Nutzer einfach weitergeleitet wird. Facebook ist in China wie der Kurznachrichtendienst TwitterTwitter oder auch die Videoplattform YouTube ohnehin gesperrt. Google-Dienste sind in China geblockt, weil die Suchmaschine ihre Ergebnisse nicht selbst zensieren will. Ähnlich können Nutzer nicht die Webseiten der "New York Times" oder des "Wall Street Journal" aufrufen. (dpa/tc) Alles zu Twitter auf CIO.de

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Themen: Facebook, Server und Twitter

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