Zittern vor Trump

Mexikos Autoindustrie rutscht in die Krise

11.01.2017
Der Autosektor ist der Stolz des Landes. Fast alle großen Hersteller sind in Mexiko vertreten, die Branche eilt von einem Rekord zum nächsten. Die protektionistische Handelspolitik des künftigen US-Präsidenten könnte die Erfolgsgeschichte jetzt ausbremsen.

Über dem El Dorado der Autobranche ziehen dunkle Wolken auf. Wenn Donald Trump am 20. Januar ins Weiße Haus einzieht, sitzt in Washington ein Mann an den Schalthebeln der Macht, der sich "Amerika zuerst" auf die Fahnen geschrieben hat, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) auf den Prüfstand stellen und Importe aus Mexiko notfalls mit Strafzöllen von bis zu 35 Prozent belegen will.

Vor allem die mexikanische Automobilindustrie würde unter der protektionistischen Handelpolitik der USA leiden. Fast 80 Prozent des Exports gehen in die Vereinigten Staaten - im vergangenen Jahr etwa 2,1 Millionen Fahrzeuge. Sollte der wichtige Absatzmarkt wegbrechen, dürfte die stolze Branche mächtig ins Trudeln geraten.

"Noch ist unklar, inwieweit Trump nach seinem Amtsantritt das Nafta-Abkommen mit Mexiko und Kanada modifizieren will und somit neue Handelsbarrieren schaffen könnte", sagt Florian Steinmeyer, Leiter des Mexiko-Büros der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI). "In jedem Fall leidet die Investitionsbereitschaft des Privatsektors 2017 unter der Unsicherheit darüber."

Made in Mexiko: Die Perle der mexikanischen Industrie - die Automobilindustrie - ist in Gefahr.
Made in Mexiko: Die Perle der mexikanischen Industrie - die Automobilindustrie - ist in Gefahr.
Foto: simbos - shutterstock.com

Bis zu Trumps Wahlsieg galt Mexiko unter den Autobauern als das gelobte Land: Die Nähe zum wichtigen US-Markt, über 40 Freihandelsabkommen mit Ländern auf der ganzen Welt, ein gut ausgebautes Netz an Zulieferern und vor allem niedrige Arbeitskosten machen Mexiko für die Hersteller ausgesprochen attraktiv.

Und Mexiko hat große Pläne: Bis 2020 will das Land pro Jahr fünf Millionen Autos bauen und der fünftgrößte Automobilstandort der Welt werden. Fast alle großen Automobilhersteller sind in Mexiko vertreten. VolkswagenVolkswagen betreibt in Puebla sein zweitgrößtes Werk weltweit, AudiAudi eröffnete ganz in der Nähe vor kurzem seine modernste Fabrik, auch BMWBMW zieht derzeit ein Werk hoch. Top-500-Firmenprofil für Audi Top-500-Firmenprofil für BMW Top-500-Firmenprofil für Volkswagen

Die markigen Töne aus dem Trump-Tower haben allerdings bereits vor der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten für Verunsicherung gesorgt. FordFord beerdigte schon Investitionspläne in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar in Mexiko. Der italienisch-amerikanische Autokonzern FiatFiat Chrysler beeilte sich, Investitionen in zwei bestehende Werke in den USA zu versprechen. Top-500-Firmenprofil für Fiat Top-500-Firmenprofil für Ford

Die deutschen Hersteller wollen erst einmal abwarten. "Wir werden nichts an unseren Plänen in den USA und Mexiko ändern", sagte Daimler-Pressesprecher Jörg Howe der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen errichtet gemeinsam mit Nissan eine Fabrik in Aguacalientes. Volkswagen und Audi wollten sich auf Anfrage nicht zu ihren Investitionsplänen äußern.

Auch die Zulieferer wollen zunächst die Lage sondieren. "Wir fangen jetzt nicht überstürzt an, Investitionen zu bremsen", sagte der Vorstandschef von ZF, Stefan Sommer, der "Automobilwoche". Grundsätzlich glaubt der Manager an den Standort Mexiko: "Nordamerika braucht Mexiko als Produktionsland, um global wettbewerbsfähig zu bleiben."

In jedem Fall muss sich Mexiko nach dem Regierungswechsel in den USA auf harte Zeiten gefasst machen. "Mexiko wird auf die Probe gestellt", sagte zuletzt der mexikanische Finanzminister José Antonio Meade.

Gleich nach Trumps Wahlsieg ging der mexikanische Peso auf eine rasante Talfahrt. Seit dem vergangenen Jahr wertete die Landeswährung gegenüber dem Dollar rund 20 Prozent ab. In der vergangenen Woche warf die Zentralbank zwei Milliarden Dollar ihrer Währungsreserven auf dem Markt, um den Peso zu stützen.

Bereits mehrfach erhöhte die Notenbank den Leitzins. Damit läuft sie allerdings Gefahr, die Konjunktur abzuwürgen. "Für die mexikanische Wirtschaft verdüstert sich der Ausblick zunehmend", sagt You-Na Park, Expertin bei der Commerzbank. Laut einer Prognose der Scotiabank dürften die ausländischen Direktinvestitionen im laufenden Jahr auf 21,3 Milliarden Dollar zurückgehen, nachdem sie 2016 etwa 23,7 Milliarden Dollar erreichten.

Jetzt rächt sich, dass Mexikos Wirtschaft so abhängig vom US-Markt ist. "Mittelfristig wird Mexiko angesichts der möglichen Einschränkungen im Nafta-Handel versuchen, seinen Außenhandel zu diversifizieren", sagt GTAI-Experte Steinmeyer. "Mit dem Trans-Pacific-Partnership (TPP) will sich Mexiko stärker Richtung Asien orientieren. Der angekündigte Ausstieg der USA aus dem TPP-Abkommen lässt die Zukunft des Handelspaktes allerdings offen." (dpa/rs)

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