Oracle erwartet nun grünes Licht für Peoplesoft-Übernahme

Microsoft verschluckt sich an SAP

08. Juni 2004
Von Thomas Zeller
Die geplatzten Fusionsgespräche zwischen SAP und Microsoft läuten eine neue Konsolidierungswelle auf dem Software-Markt ein. Zu diesem Schluss kommen verschiedene Analysten. So handelt beispielsweise die Deutsche Bank die Firmen Sage oder Intuit als nächste Kandidaten für Übernahmen.

Unterdessen sieht sich OracleOracle bei seiner geplanten Übernahme von Peoplesoft bestärkt. Die abgebrochenen Gespräche zwischen MicrosoftMicrosoft und SAPSAP würden zeigen, dass es genügend Wettbewerb im Markt für Unternehmens-Software gibt. Die Annahme des US-Justizministeriums, eine Übernahme der Software-Firma Peoplesoft durch Oracle würde die Zahl der konkurrierenden Unternehmen von drei auf zwei reduzieren, sei damit widerlegt. Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Nach der geplatzten Übernahme von SAP folgt nun eine neue Konsoldierungswelle.
Nach der geplatzten Übernahme von SAP folgt nun eine neue Konsoldierungswelle.

Das Kartellverfahren des US-Justizministeriums um die feindliche Kaufofferte für Peoplesoft durch Oracle hatte am Montag mit einem Paukenschlag begonnen. Kurz vor Beginn der Verhandlungen zu dem geplanten Übernahmeversuch in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar war bekannt geworden, dass Microsoft vor wenigen Monaten an SAP herangetreten war, um eine Fusion zu diskutieren.

Die Verhandlungen wurden jedoch nach Angaben von Microsoft bereits im Frühjahr wieder beendet. Die Übernahme und die Integration von SAP seien zu komplex gewesen. Auch SAP hat bestätigt, dass Microsoft Ende 2003 an das Walldorfer Unternehmen herangetreten sei. Es bestehe aber keine Absicht, die Gespräche wieder aufzunehmen, erklärten beide Unternehmen in getrennten Pressemitteilungen.

Microsoft sucht neue Rolle

Microsoft ist seit längerer Zeit daran interessiert, in den Markt für Betriebssoftware einzusteigen. Für eine Übernahme hätte der Konzern vermutlich mehr als 41 Milliarden Euro zahlen müssen, dies entspricht in etwa der Marktkapitalisierung von SAP. Das Redmonder Unternehmen verfügt zurzeit über Barreserven in Höhe von 50 Milliarden Euro.

Die Walldorfer sehen sich nach dem Übernahmeversuch von Microsoft nicht mehr als Verkaufsobjekt. "Ich kann klar sagen, dass SAP nicht zum Verkauf steht", sagte ein SAP-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Bei den Fusionsgesprächen hätte das deutsche Unternehmen jedoch eine ziemlich passive Rolle gespielt.

SAP-CEO Henning Kagermann kann Microsoft von der Schippe springen.
SAP-CEO Henning Kagermann kann Microsoft von der Schippe springen.

Bei einem Zusammenschluss mit Microsoft hätte SAP vor allem von deren Vertriebsstärke im Markt für mittelständische Unternehmen profitiert, viel mehr aber wohl nicht. Für den Redmonder Konzern wäre eine Übernahme hingegen die Möglichkeit gewesen, auf einen Schlag auch die Marktführerschaft bei Unternehmens-Software zu übernehmen. Immerhin beläuft sich der weltweite Marktanteil von SAP, verglichen mit den fünf größten Mitbewerbern auf 54 Prozent.

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