Warnung vor WM-Manipulation

Milliarden-Geldwäsche über Sportwetten

15. Mai 2014
Experten warnen vor möglicher Manipulation von WM-Spielen, die Mafia setzt insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro jährlich mit Wetten um. Fachleute sehen die Glaubwürdigkeit des Sports in Gefahr.

Die organisierte Kriminalität nutzt Sportwetten in erschreckendem Ausmaß zur Geldwäsche und bedroht nach Ansicht von Experten auch die Glaubwürdigkeit von WM-Spielen. Sylvia Schenk, Korruptionsbekämpferin bei Transparency International Deutschland, warnte vor möglicher Spielmanipulation beim Weltturnier in Brasilien. "Sicher ist die Gefahr vom Achtelfinale an nicht mehr so groß, aber in den Gruppenspielen kann das passieren", sagte sie am Donnerstag bei einem Symposium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Gerade dann, wenn die Qualifizierten feststehen und nur noch konkrete Ergebnisse abgesprochen werden müssten."

Einer Studie zufolge werden mehr als 100 Milliarden Euro jährlich über Sportwetten gewaschen. Das schreiben die Pariser Universität Panthéon-Sorbonne und das Internationale Zentrum für Sportsicherheit ICSS aus Katar nach zweijährigen Untersuchungen. 80 Prozent der weltweiten Wetten seien demnach illegal. Besonders der Fußball und Kricket seien von Wettbewerbs- und Wett-Manipulation betroffen, auch Tennis, Basketball, Badminton und Motorsport seien anfällig.

Allein 2013 habe es mutmaßlich "Hunderte oder sogar Tausende" Fälle von Betrug gegeben, das Unternehmen Sportradar hatte 350 Mal Manipulationen festgestellt. "Die Tendenz ist leider steigend", sagte Maximilian Schmitt von Sportradar, das jährlich weltweit 60.000 Spiele sportartübergreifend überwacht. Rund 750 Milliarden Euro werden nach seinen Angaben pro Jahr weltweit mit Sportwetten umgesetzt, davon 70 Prozent in Asien. Damit würde, wenn man die ICSS-Zahlen im Vergleich nimmt, ein Siebtel des kompletten Wettmarkts für illegale Zwecke genutzt.

Allein bei Wetten auf Fußballspiele werden jährlich 400 Milliarden Euro bewegt; in Deutschland sind es laut Sportradar 30 Milliarden Euro, davon 15 Milliarden in der Bundesliga. "Kein Verband, keine Liga, ist vor diesem Problem der Spielmanipulation gefeit", meinte Schmitt.

Als Maßnahmen empfehlen die Pariser Wissenschaftler und das Institut aus Katar eine übergreifende Wettsteuer, um internationale Untersuchungen zu finanzieren. "Das schnelle Wachstum des globalen Sport-Wettmarkts hat ein gestiegenes Risiko der Infiltrierung durch organisiertes Verbrechen und Geldwäsche zur Folge", sagte ICSS-Direktor Chris Eaton, der früher Sicherheitsbeauftragter beim Fußball-Weltverband FIFA war. "Kriminalität stiehlt die Seele und die Glaubwürdigkeit des Sports."

Allerdings fallen mehrfach methodische Mängel der Studie auf, die auch Experten kritisieren. "Die Autoren verwechseln illegale Wetten wiederholt mit Spielmanipulation", schreibt der Buch-Autor Declan Hill auf seiner Internetseite. Zudem bringe die Studie oft die tatsächlichen mit den gemeldeten Korruptionsfällen durcheinander. Die Autoren waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (dpa/rs)

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