Public IT


7 Beispiele vom Rechnungshof

Millionen bei IT-Projekten verbrannt

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public ICT, Telekommunikation und Social Media.

4. Physikalisch-Technische Bundesanstalt: Vorgaben für IT-Einsatz missachtet

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) hat für die Bundesverwaltung geltende Vorgaben für den wirtschaftlichen und sicheren Betrieb ihrer IT missachtet. Die PTB nutzte für IT-Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nicht die für die Bundesverwaltung empfohlene und kostenfrei zur Verfügung stehende Software „WiBe Kalkulator". Stattdessen bewertete sie die Wirtschaftlichkeit von Vorhaben und Projekten nach einem eigenen Standard.

Ihre Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen waren schlecht dokumentiert und wiesen die Wirtschaftlichkeit nicht angemessen nach. Erfolgskontrollen fehlten. Beschäftigte der Bundesanstalt konnten mit dienstlichen und privaten SmartphonesSmartphones über Funknetzwerke auf ihre dienstlichen E-Mail-Konten zugreifen. Weder für die Funknetzwerke noch für die Smartphones hatte die Bundesanstalt die erforderliche Freigabe des BSI eingeholt. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Den Überblick verloren? 1800 Beschäftigte und über 4350 Arbeitsplatzrechner bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.
Den Überblick verloren? 1800 Beschäftigte und über 4350 Arbeitsplatzrechner bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.
Foto: Kristian Peetz/Fotolia.com

Bei 1800 Beschäftigten verfügte die Bundesanstalt über 4350 Arbeitsplatzcomputer. Den Überbestand von 2550 Arbeitsplatzcomputern konnte die Bundesanstalt nicht erklären. Das Softwarelizenzmanagement der Bundesanstalt war unvollständig und mängelbehaftet.

Softwarelizenz-Management sei nicht möglich

Die Bundesanstalt ist der Auffassung, der eigenentwickelte Standard für IT-Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen verfüge über eine inhaltlich ausreichende Methodik und sei wirtschaftlich. Die Gefährdung ihrer IT-Sicherheit durch den Einsatz der Smartphones hat sie bestritten. Der Überbestand an Arbeitsplatzcomputern sei in ihrer Aufgabe als Forschungseinrichtung begründet. Ein umfassendes Softwarelizenz-Management sei nicht möglich.

Der Bundesrechnungshof erwartet nun, dass das Bundeswirtschaftsministerium dafür sorgt, dass die Bundesanstalt die Vorgaben für den Einsatz der Informationstechnik in der Bundesverwaltung beachtet. „Es darf nicht dulden, dass die Bundesanstalt in diesem Bereich mit Verweis auf ihre wissenschaftlich-technische Ausrichtung eine Sonderrolle beansprucht", heißt es im Bericht.