Karriere für Führungskräfte

Mindestens 2 bis 3 Jahre ins Ausland

03. Februar 2012
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Wenn man Lebensläufe von Managern betrachtet, erstaunt es immer wieder, wie viele noch nie längere Zeit im Ausland waren. Personalberater Frank Döring von Rochus Mummert im Interview.

Wenn ein Manager für den Arbeitgeber den chinesischen Markt verantwortet und regelmäßig ein paar Tage einfliegt, hat er längst keine internationale Sensibilität. Frank Döring von der Unternehmens- und Personalberatung Rochus Mummert fordert im Interview Brückenmanager, die Auslandserfahrung mitbringen und so den Spagat zwischen Zentrale und Auslandsstandort meistern.

CIO: Sie fordern, dass Manager mit internationalen Aufgaben Brückenmenschen sein sollten. Was meinen Sie damit?

Frank Döring: Wenn man die Lebensläufe von Managern betrachtet, ist es immer wieder erstaunlich, wie viele von ihnen noch nie über längere Zeit im Ausland waren. Es gibt zwar zahlreiche Manager, die für ihren Arbeitgeber zum Beispiel den chinesischen Markt verantworten, regelmäßig für ein paar Tage dort einfliegen und dann für sich selbst eine internationale Sensibilität beanspruchen.

Meiner Meinung nach kann man so aber nicht zu einem Brückenmenschen werden. Denn dieser muss wirklich landestypisch führen und dabei gleichzeitig den Kontakt zur Unternehmenszentrale in Deutschland halten sowie möglichst durch hinreichende Sprachkenntnisse direkt kommunizieren können.

CIO: Müssen Brückenmanager denn zwangsläufig im Ausland gearbeitet haben?

Der Auslandsaufenthalt für Manager wird immer wichtiger, sagt Frank Döring von der Personalberatung Rochus Mummert.
Der Auslandsaufenthalt für Manager wird immer wichtiger, sagt Frank Döring von der Personalberatung Rochus Mummert.
Foto: Rochus Mummert

Frank Döring: Um wirklich eine internationale Sensibilität zu entwickeln, sollten Manager mindestens einmal in ihrer KarriereKarriere zwei bis drei Jahre vor Ort im Ausland gearbeitet haben - durchaus mit der Familie im Schlepptau. Kürzere Aufenthalte bewerte ich als schwierig, weil das erste Halbjahr im Ausland bei aller Planung nicht selten ein administrativer Marathonlauf für die ganze Familie ist, der wenig Raum für Land und Leute lässt. Wohnungssuche, Anmeldung von Strom, Wasser und Gas, Abschluss von VersicherungenVersicherungen, Sprachkurse und Schulstart, um nur einige alltägliche Dinge zu nennen, die im Ausland mit großen sprachlichen Barrieren gelöst werden müssen. Alles zu Karriere auf CIO.de Top-Firmen der Branche Versicherungen

Ganz nebenbei lernt man die heimatliche effiziente Administration schätzen und entwickelt notgedrungen Gelassenheit und Nervenstärke, die einem Manager immer gut stehen. Erst danach beginnen das Erleben und die Erforschung der neuen Kultur um einen herum. Hat man dann durch einen ausreichend langen Auslandsaufenthalt ein differenziertes Bild von den Menschen und der Umgebung gewonnen, kann man sowohl vor Ort als auch aus der Unternehmenszentrale in Deutschland heraus effizienter bewerten und führen.

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