Manager versäumen Förderung des Führungsnachwuchses

Missverständnisse bei der Mitarbeiterführung

30. Dezember 2004
Von Thomas Zeller
Mitarbeiter erwarten von ihren Vorgesetzten Entwicklungsmöglichkeiten, Motivation und Wertschätzung. Doch das Management hat oft ein anderes Verständnis von richtiger Führung. Die Ergebnisse einer länderübergreifenden Untersuchung der Beratergruppe Neuwaldegg geben Managern Anhaltspunkte für das richtige Führen von Angestellten.

Erfolg als Führungskraft wird im Top-Management von 65 Prozent an dem Erreichen von Zielen gemessen. In Österreich sehen das sogar 73 Prozent der Manager so. Im Ranking folgen zufriedene, motivierte Mitarbeiter (62 Prozent) vor zufriedenen Kunden (60 Prozent). Geht es allerdings um die Förderung der Mitarbeiter schneiden die Manager schlecht ab. In Deutschland sieht gerade einmal ein Viertel der Vorgesetzten in diesem Bereich eine zentrale Aufgabe. In der Schweiz sind es 40 Prozent, in Österreich nur fünf Prozent.

Deutsche Manager halten nichts von Mitarbeiterförderung.
Deutsche Manager halten nichts von Mitarbeiterförderung.

Diese Entwicklung erachtet die Beratergruppe jedoch als ausgesprochen gefährlich. "Führungskräfte sehen zu wenig den Bedarf, ihre Mitarbeiter zusätzlich zu motivieren und ihre Talente zu fördern. Dabei könnten sie selbst auch davon profitieren", sagt Heinz Jarmai, geschäftsführender Gesellschafter der Firma. Er rät den Unternehmen daher, mehr auf die "Hidden Champions" zu achten und deren Fähigkeiten für den Erfolg des Unternehmens zu nützen.

Insbesondere bei der Nachwuchsförderung kommt die Betriebe eine fehlende Mitarbeitermotivation teuer zu stehen. Im Durchschnitt wird die Hälfte aller Führungskräfte von außen ins Unternehmen geholt. Gezielte Karriereplanung öffnet in 42 Prozent der Fälle die Tür zum Chefzimmer. Österreich liegt bei der Rekrutierung externer Führungskräfte mit 42 Prozent unter den Vergleichswerten der Schweiz (51 Prozent) und Deutschlands (53 Prozent).

Auffallend ist jedoch, dass man in Österreich mehr als in den Unternehmen der Nachbarländer eher durch die Mechanismen interner NetzwerkeNetzwerke (43 Prozent) und weniger durch fachliche Expertise (15 Prozent) zur Führungskraft wird. Zudem verbleiben Manager hier länger auf einer Führungsposition als in den Nachbarländern. Bei allgemein sinkender Tendenz vergehen in Österreich bis zu einem Wechsel elf Jahre, in der Schweiz neun Jahre und in Deutschland 8,7 Jahre. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Zudem überwiege bei den Unternehmen weiterhin die Skepsis gegenüber älteren Führungskräften oder Managern mit langer Unternehmenszugehörigkeit. Das sei nicht angebracht, so die Untersuchung. Durch professionelle Integration beider Generationen könnten Erfahrung und Wissen der Älteren mit neuen Methoden und Denkansätzen junger, flexibler Top-Performer zum Vorteil für das Unternehmen gekoppelt werden.

Die Studie wurde gemeinsam mit dem Umfrageinstitut OGM durchgeführt. Mittels telefonischer Interviews wurden 300 Top-Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus Betrieben mit mindestens 250 Mitarbeitern befragt.

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