Die Wiesn überstehen

Mit der Firma auf dem Oktoberfest

23. September 2016
Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Während des Oktoberfests herrscht in München Ausnahmezustand. Das Bier fließt in Strömen, die Stimmung ist ausgelassen. Münchner Unternehmen laden auch gern die eigenen Mitarbeiter auf das größte Volksfest der Welt ein.

Viele Chefs betrachten das Oktoberfest als eine wunderbare Möglichkeit, etwas für die gute Stimmung im Unternehmen zu tun. Der Bierkonsum spielt dabei keine unerhebliche Rolle - und das kann Folgen haben.

Das Tages-Du

So feierten denn auch die IT-Mitarbeiter eines Münchner Konzerns fleißig auf der Wiesn (wie das Oktoberfest unter Einheimischen noch heißt) gemeinsam in einem der großen Zelte. Wie in IT-Abteilungen üblich, duzten sich die jungen Programmierer, und es herrschte insgesamt ein lockerer Ton. Nach oben allerdings wurde gesiezt. Besucher des Oktoberfests wissen, dass das Bier nur in Literkrügen ausgeschenkt wird, und daher die gute Laune schneller kommen kann als erwartet.

Dem Abteilungsleiter der schon erwähnten IT-Abteilung wurde es schnell unheimlich, wie familiär sich der Betriebsausflug mit zunehmendem Bierkonsum entwickelte. Er grübelte verzweifelt nach, wie er aus dieser Situation am besten herauskommen könnte. Dann setzte er zum ultimativen Befreiungsschlag an: "Liebe Kollegen, ich biete euch das Tages-Du an." Der Abend war gerettet.

Das Tages-Du vom Vorgesetzten für den Oktoberfestbesuch kann einen Abend retten.
Das Tages-Du vom Vorgesetzten für den Oktoberfestbesuch kann einen Abend retten.
Foto: Kzenon - fotolia.com

Dann kam der nächste Tag, die Büros grau, der Magen nüchtern und der Chef ganz der Alte: Keine Spur von Lockerheit - und das Du war so schnell vergessen, wie er es angeboten hatte. Wer also gemeint hatte, die Verbrüderung mit dem Chef sei von Dauer, musste sich eines Besseren belehren lassen.

Wie man ins Bierzelt kommt

Das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt, und der Ruf einer gemütlichen und gute Stimmung verbreitenden Veranstaltung eilt ihm voraus. Daher ist es nur verständlich, dass Kunden selbst aus den entlegensten Teilen der Welt erwarten, vom Münchner Partner zu diesem wichtigen Ereignis eingeladen zu werden.

Der Vertriebsabteilung eines IT-Unternehmens passierte nun leider das Malheur, nicht rechtzeitig Tische im Bierzelt reserviert zu haben. Problematisch dabei: Ohne Reservierung gibt es kaum eine Chance auf einen freien Platz. Außerdem kann man mit dem Kunden nicht über das Festgelände irren, um irgendwo einen freien Tisch zu ergattern.

Wie konnte es dazu kommen, dass die Reservierung vergessen wurde? Ganz typisch für die heutige Zeit: Es wurde umstrukturiert, die gute Seele der Abteilung, die Sekretärin, war nicht mehr da und schon hat niemand daran gedacht, sich um die Reservierung zu kümmern.

Die Sales-Mitarbeiter des besagten IT-Unternehmens hatten da eine Idee, mit der sie den Kunden - und die nichtsahnenden Chefs - doch noch zufrieden stellen konnten. Am Tag des Oktoberfestbesuchs begann für jeweils zwei Mitarbeiter ab zehn Uhr morgens für zwei Stunden die Reservierungsschicht. So wurden die benötigten Plätze bis zum Nachmittag frei gehalten und die Chefs konnten den Kunden stolz die Münchner Bier- und Feierkultur präsentieren.

Reservierung für Münchner

Wer trotz allen Bemühungen und Firmenkontakten ohne Reservierung dasteht und seinem Kunden oder Geschäftspartner doch das beliebte Volksfest zeigen möchte, hat seit letztem Jahr noch eine andere Möglichkeit. Seit 2015 gibt es in fast allen großen Festzelten ein Sonderkontingent an reservierungsfähigen Tischen für Münchner.

Möglich macht dies ein Beschluss des Münchner Stadtrates, der den Wirten die Möglichkeit verschafft, an den Wochenenden und am Feiertag 15 Prozent mehr Tische für Reservierungen zu vergeben, als bisher. Diese Tische sind allerdings Münchnern vorbehalten und dürfen nicht an einen Mindestverzehr gebunden sein. Den Beleg darüber, Münchner zu sein, gibt der Personalausweis, in dem als Hauptwohnsitz "München" eingetragen sein muss. Pro Münchner gibt es dann gegen eine Bearbeitungsgebühr einen Tisch.

Reserviert werden kann, solange der Vorrat reicht, direkt in den Wiesnbüros oder den jeweiligen Hauptgaststätten der Wirte. Tische gibt's an den Wochenenden von elf bis 15 Uhr. Die perfekte Zeit, um mit einem Geschäftspartner auch noch spontan ein wenig auf der Wiesn zu schunkeln.

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