Signs & Wunder

Mit einem Unbekannten am Handy durch Hamburg-Altona

15. Juni 2014
In "Signs & Wunder" lässt das Junge Schauspielhaus seine Besucher von unsichtbaren Telefonisten durch Hamburg-Altona führen. Die dreizehn Routen sollen den Blick für die Details der Umgebung schärfen.

Das Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist ein Unbekannter. "Ich heiße Alexander", stellt sich die Stimme vor, "ich werde Dich heute durch Altona führen." Die Zuschauer der Schauspielhaus-Performance "Signs & Wunder" können ihre Stadtteilführer nicht sehen. Lediglich ein Handy erhält jeder Besucher, der zur Premiere an den neuen Standort des Jungen Schauspielhauses in der Gaußstraße im Hamburger Stadtteil Altona gekommen ist. Dann klingeln überall die Telefone und der Rundgang beginnt.

Es gehe darum, den Zuschauern ein Altona jenseits der digitalen Stadtpläne auf den SmartphonesSmartphones und Navis nahe zu bringen, erklärt Jürgen Salzmann von der Gruppe "Stockholm Syndrom", die gemeinsam mit dem Schauspielhaus den Abend veranstaltet. Jeder der fünfzehn Telefonisten habe sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie seine Route aussieht. "Wichtig sind die Details, die man auf der Strecke finden kann", betont Salzmann. Das können ein überquellender Mülleimer oder ein Graffiti an der Wand sein. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Den besonderen Lichteinfall unter einer S-Bahn-Brücke hebt die Stimme am Telefon zum Beispiel hervor. Sie führt die Besucher außerdem in eine Schule, in der Kinder aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen. Auch gesellschaftspolitische Themen spielen eine Rolle. Das "große Thema Gentrifizierung ist uns bei unseren Gesprächen mit Stadtteilbewohnern immer wieder begegnet", sagt Co-Projektleiter Martin Thamm.

Die Problematik der Verdrängung der Alteingesessenen sei bereits an der sich wandelnden Architektur in Altona zu sehen. So führt die Stimme am Telefon die Besucher vorbei an neu entstandenen Luxusherbergen mit Springbrunnen im Hof. Die erinnern eher an Italien als an den einstigen Arbeiterstadtteil im Westen der Hafenstadt an der Elbe.

Insgesamt dreizehn verschiedene Wege "to find a magic moment" (um einen zauberhaften Moment zu finden), wie es im Untertitel heißt, gibt es. Die Stimme am Telefon ist immer dabei. Je länger der Rundgang dauert, desto mehr setzt eine Identifikation mit dem unbekannten, scheinbar allwissenden Schutzengel ein. Der lässt bis zum Ende der Veranstaltung offen, ob es jenseits des Telefons ein reales Zusammentreffen geben wird. (dpa/rs)

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